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Libyen war von 1912 bis 1943 eine Kolonie - zuerst des liberal regierten, seit 1922 des faschistisch beherrschten Italiens. Es sollte als Auffangbecken für die überschüssige bäuerliche Bevölkerung des italienischen Südens dienen, die dabei war, in hohem Ausmaß in andere Zielländer auszuwandern. Der Faschismus, wie er hier in Erscheinung trat, lässt sich als ein biologisches Kolonialregime kennzeichnen. Es ging zum einen darum, die Bevölkerungszahl Italiens zu erhöhen und die eigene Bevölkerung in der Kolonialsituation zu ertüchtigen. Zum anderen sollten die Libyer auf ein höheres zivilisatorisches Niveau gebracht, sie somit in den faschistischen Staat integriert werden. Hierzu schienen die Hygienisierung der Lebensverhältnisse und medinische Interventionen als geeignete Mittel. Ferner waren die Hygienekampagnen und der Aufbau medizinischer Infrastrukturen dazu gedacht, das Territorium für die eigenen Siedlungszwecke offen zu halten.
Alessandra Parodi ist am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg in Lehre und Forschung tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Kolonialmedizin, die Geschichte der Infektionskrankheiten und die Geschichte der Impfungen.