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Persönliche Erfahrungen aus Dorfkindheit, queerer Selbstfindung und Literaturbetrieb verknüpft Alexander Graeff mit kulturkritischen, philosophischen und tierethischen Fragestellungen. Inspiriert von Donna Haraway entwickelt er ein "tentakuläres" Verständnis von Welt - anhand von Begegnungen mit Oktopoden, Quallen und Hunden - und hinterfragt binäre Ordnungen, heroische Narrative und hierarchische Menschenbilder. Ein literarisch eigenständiger Beitrag zu den Debatten um Queerness, Ökologie, Polykrisen und solidarische Formen des Zusammenlebens. Der Philosoph Volkmar Mühleis schreibt: "Tentakel ausbilden bietet viele, viele Anregungen, mit persönlichen Erlebnissen und Herleitungen durchdrungen, ist immer flüssig zu lesen, ein mäanderndes Vergnügen."
Der Oktopus als Begriffstier entspricht wegen seiner fluiden Form, seinen Tentakeln und seiner vermeintlichen Schwerelosigkeit, aber vielleicht auch deshalb unserer Gegenwart, weil wir aufgrund der weltweiten Krisen - Klima, Krieg, Kapitalismus, Faschismus - gezwungen sind zu tentakulärer Kooperation. Das ist es, was wir Menschen von Oktopoden lernen könnten. Denn auch wir wabern ja wie das Wort "queer" wabert, unser Bewusstsein ist wirbellos. Wenn wir den Abstand verringern zwischen ihm, dem Tier unserer Epoche, und uns selbst, lernen wir vielleicht mit Unsicherheit und Uneindeutigkeit von Welt und Selbst anders umzugehen. Wir würden Tentakel ausbilden, um unsere Mitwelt sensibel betasten und uns so untereinander verwandt machen zu können.
Alexander Graeff, aufgewachsen in einem rheinland-pfälzischen Dorf, ist Leiter des Programmbereichs Literatur im Berliner Kunst- und Kulturzentrum Brotfabrik sowie Initiator der Lesereihe "Schreiben gegen die Norm(en)?". Zuletzt veröffentlichte er den Gedichtband "Deine Revolution für Ungenauigkeit hat Zukunftswert" im Verlagshaus Berlin und den Essay "Das Spektrum erweitern." im Querverlag. Alexander Graeff lebt in Berlin.