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Der Nibelunge liet, um 1200 im mittelhochdeutschen Raum entstanden, entfaltet in kunstvoller Strophenform die Geschichte von Siegfrieds Aufstieg, Kriemhilds Liebe, Verrat, Rache und dem Untergang der Burgunden. Das Epos verbindet höfische Repräsentationskultur mit älteren heroischen Sagenstoffen und zeigt eine Welt, in der Ehre, Treue und Gewalt unauflöslich ineinandergreifen. Sein Stil ist zugleich feierlich, knapp und dramatisch verdichtet; gerade die sachliche Erzählhaltung steigert die Tragik des Geschehens. Der Verfasser bleibt anonym, doch verrät das Werk die Hand eines gebildeten Dichters, der mit höfischer Literatur, mündlicher Heldentradition und politischen Ordnungsmodellen seiner Zeit vertraut war. Wahrscheinlich schrieb er für ein adliges Publikum im Donauraum, vielleicht im Umfeld Passaus. Die Spannung zwischen christlicher Gegenwart, archaischem Ehrdenken und dynastischer Konfliktlogik dürfte den Dichter besonders beschäftigt haben. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die die Grundlagen der deutschen Literatur verstehen wollen. Der Nibelungenstoff ist nicht nur ein nationales Erinnerungsmonument, sondern ein vielschichtiges Kunstwerk über Macht, Loyalität und zerstörerische Vergeltung. Wer es liest, begegnet einer mittelalterlichen Welt von erstaunlicher psychologischer und politischer Aktualität.
Evelyn Underhill (1875 - 1941) was an English Anglo-Catholic writer and pacifist known for her numerous works on religion and spiritual practice, in particular Christian mysticism.