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Lebensläufe sind die Summe unserer Lebensphasen. Doch oft fühlen wir uns nicht jener Lebensphase zugehörig, die uns aufgrund unseres chronologischen Alters zugeschrieben wird. "Verlängerte Jugend" oder "frühzeitiges Altern" verweisen auf unser verwirrtes Lebensphasenregime mit seinem Fokus auf Erwachsene. Deren Erwerbsarbeit stellt alles Vorher und Nachher in den Schatten und hinterlässt eine ruhelose und den Statistiken zufolge unglückliche Sandwich-Generationen. Erwartungen und Normen, was in einem bestimmten Alter zu leisten wäre, passen längst nicht mehr zu unseren Lebenswirklichkeiten. Doch waren Lebensphasen in der westlich-abendländischen Kultur schon immer vielgestaltig. Der historische Blick zeigt, dass wir uns nie in nur einer Phase befinden und unser Leben nie in nur eine Richtung verläuft. Gleichzeitiges und Gegenläufiges anzuerkennen heißt, ein realistisches Bild von uns und unserem Leben zu erlangen. Armen Avanessian fragt, seit wann es Kindheit gibt, warum die Midlife-Crisis erfunden wurde und weshalb für Frauen immer schon andere Regeln gelten sollten als für Männer. Sein faszinierendes Buch lässt alltägliche Situationen in einem neuen Licht erscheinen und weist Wege, sich und sein Leben im Spiegel anderer Lebensphasen besser und beglückender zu verstehen.
Armen Avanessian, 1973 in Wien geboren, Philosoph und politischer Theoretiker, ist Professor für Medientheorie an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Er ist bekannt für seine Beiträge zum Akzelerationismus und zur spekulativen Philosophie. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen Konflikt, Flüchtigkeitsmanagement und Planetarische Ethik.