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In der Rue Vieille-du-Temple, mitten im Marais, verkauft Mathieu Vasseur seit über zwanzig Jahren alte Bücher - und weiß meist genau, was sie wert sind. Bis ein alter Mann ihm einen unscheinbaren Karton bringt und Vasseur zwischen den Seiten eines Gedichtbands von 1941 einen Brief findet, der von einer verschwundenen Bibliothek spricht.
Wenige Tage später ist der alte Mann tot - offiziell ein Unfall. Doch die durchsuchte Wohnung erzählt eine andere Geschichte, und Vasseur, der eigentlich nur Bücher verkaufen wollte, fängt an, Fragen zu stellen, die fünfzig Jahre alt sind und in Paris niemand mehr hören will.
Je tiefer er gräbt, desto klarer wird: Manche Bibliotheken verschwinden nicht. Sie werden verkauft - Seite für Seite, Jahrzehnt für Jahrzehnt, an Käufer, die nie fragen, woher die Bücher kommen.
Provenienz ist der erste Fall für den Pariser Antiquar Mathieu Vasseur.
Benoît Villaret schreibt Kriminalromane, in denen mehr nachgeschlagen als geschossen wird. Dass sein Ermittler ein Antiquar ist, ist kein Zufall: Villaret interessiert sich für Gegenstände, die länger leben als ihre Besitzer - und für die Frage, was Menschen bereit sind zu übersehen, um sie behalten zu dürfen.
Für Provenienz hat er sich in die Geschichte der Bücherbeschlagnahmungen im besetzten Paris eingearbeitet: in die Arbeit des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg, in Rückgabeverfahren, die nie zu Ende geführt wurden, und in Auktionskataloge, in denen sich die Spuren davon bis heute finden lassen. Die Wege, die Mathieu Vasseur durch den Marais geht, kann man nachgehen; die Straßen, Markthallen und Cafés gibt es.
An der Form des Kriminalromans reizt ihn ihre Beharrlichkeit. Sie zwingt jemanden, eine Frage zu Ende zu stellen, die alle anderen längst fallen gelassen haben.