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Günter de Bruyn hat seine nie versiegende Faszination für die märkische Landschaft, die aufgrund ihrer sandigen, kargen Beschaffenheit einst als 'Streusandbüchse' verspottet wurde, mit der neugierigen Bereitschaft erklärt, deren verborgene Reize erkunden zu wollen. Dabei ging es ihm um ein 'Gefühl für Landschaft und Geschichte, für an Landschaft ablesbarer Geschichte', wie es in einer Tagebuchnotiz von 1969 heißt. Er las Kirchenbücher und Chroniken, fand alte Flurkarten, um auch wenig bekannte Orte wie Schwenow, Kossenblatt oder Friedersdorf am Rande des Oderbruchs in seinem eigenwilligen Koordinatensystem zu verorten. Im Beeskower Nachlass fanden sich Fahrtenberichte, Tagebucheintragungen und Briefe, die belegen, dass de Bruyn seit den 1960er-Jahren systematisch und kontinuierlich auf geplanten Wanderfahrten unterwegs war. Gezielt suchte er Herrensitze, Schlösser und Kirchen auf, um deren baulichen Zustand mit kritischem Blick zu begutachten. Die inspizierten Orte und ihre Denkmäler lieferten ihm aber auch wertvolles Material für Buch-Projekte wie Mein Brandenburg, Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft oder Kossenblatt. Das vergessene Königsschloss. So verbindet sich in de Bruyns literarischer Vermessung märkischer Kulturlandschaft Authentisches mit Fiktivem zu einer einzigartigen Collage. Die hier erstmals veröffentlichten Fahrtenberichte Günter de Bruyns umfassen die Jahre 1980 bis 1991. Zusammen mit einer Auswahl zeitgleich entstandener Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Fotos sind sie beredte Zeugnisse seiner Heimatsuche im Märkischen.
Carola Wiemers, 1957 geboren, ist Dozentin, Literaturkritikerin und Feature-Autorin. Dem Studium der Germanistik und Skandinavistik folgten Tätigkeiten als Lektorin in Helsinki und Stockholm. Promotion über Ingeborg Bachmann. Arbeiten u. a. zu Elfriede Jelinek, Irmtraud Morgner und Tomas Tranströmer.