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"Wir müssen bei der Bildung ansetzen." - Kaum ein Satz fällt in gesellschaftspolitischen Diskussionen so häufig und ist in ähnlicher Form schon so lange im (bildungs-)politischen Diskurs vertreten. Dominik Matzinger untersucht die Entstehung dieses "bildungspolitischen Motivs" im 18. Jahrhundert sowie dessen laufenden Wandel bis in die Gegenwart. Zu diesem Zweck werden drei Bildungskonzepte näher untersucht: das neuhumanistische von Wilhelm von Humboldt an der Wende zum 19. Jahrhundert, jenes der Herbartianer Wilhelm Rein und Friedrich Paulsen an der Wende zum 20. Jahrhundert sowie das Konzept der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) in der Gegenwart.
Der Autor zeigt auf, inwiefern die jeweiligen Bildungskonzepte auf spezifische historische Bedingungen und Problemstellungen reagieren: Sie stehen in einem engen Verhältnis zu politischen und ökonomischen Entwicklungen - namentlich dem Ende des Feudalismus und der Entstehung des Liberalismus auf der einen und dem Aufkommen des kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells auf der anderen Seite.
Viele der Erwartungen, die im Lauf der Zeit mit der Verbreitung von Allgemeinbildung verknüpft wurden - etwa eine gerechtere Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse bzw. die Chancengleichheit aller Menschen unabhängig von sozialer Herkunft -, sind auch mehr als zwei Jahrhunderte nach Aufkommen dieses Diskurses nicht eingetroffen. Aus Anlass dieser Diagnose unternimmt der Autor abschließend den Versuch, den Zusammenhang von Allgemeinbildung und sozialem Fortschritt unter den Bedingungen der Gegenwart neu zu denken.
Dominik Matzinger hat an der Universität Wien Bildungswissenschaft studiert, bevor er 2018-2023 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Allgemeine Pädagogik an der Universität Koblenz tätig war. Seit 2023 ist er Lehrender an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich am Department für Diversität. Er promovierte 2025. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Bildungsphilosophie, Bildungsgerechtigkeit, soziale Ungleichheit und Inklusion.