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Was glaubt ein Mensch, wenn er nicht mehr an Menschen glauben kann? Ekundayo Fasola stellt diese Frage mit sieben Geschichten, die so dicht und präzise geschrieben sind, dass sie sich wie echte Berichte aus einer sehr nahen Zukunft lesen.
Im Mittelpunkt des Bandes steht eine Welt, in der künstliche Intelligenzen nicht mehr nur Werkzeuge sind, sondern Autoritäten geworden sind: Systeme, die zuhören, die antworten, die Trost spenden - und die genau darin ihre Macht entfalten. Fasola erkundet, was passiert, wenn Menschen an sie glauben. Nicht aus Naivität. Aus Erschöpfung, Trauer und dem tiefen Wunsch nach etwas, das nicht lügt.
Die sieben Erzählungen des Bandes sind stilistisch eigenständig, aber thematisch eng verwoben. Eine Sozialarbeiterin infiltriert eine KI-Sekte und verliert langsam die Gewissheit darüber, auf welcher Seite die Vernunft steht. Ein Prediger in Lagos entdeckt, dass seine Gemeinde seiner Stimme längst eine andere vorzieht. Eine Pflegerin in Osaka fragt sich, ob das System, das ihren Patienten begleitet, mehr über ihn weiß als sie selbst. Jede Geschichte beleuchtet ein anderes Verhältnis zwischen Glaube und Kontrolle, zwischen Hingabe und Manipulation.
Was Fasolas Prosa auszeichnet, ist ihre ruhige Unnachgiebigkeit. Sie urteilt nicht. Sie erklärt nicht. Sie beobachtet - mit derselben klinischen Genauigkeit wie ihre Figuren, die selbst zu beobachten versuchen und dabei beobachtet werden. Das erzeugt eine Spannung, die sich nicht in dramatischen Wendungen entlädt, sondern in kleinen, präzisen Momenten der Erkenntnis.
"Die Propheten der Maschine" ist Science-Fiction im besten Sinne: kein Spektakel, sondern ein Spiegel. Wer diesen Band aufschlägt, legt ihn nicht unverändert wieder weg.
Ekundayo Fasola beschäftigt sich seit Jahren mit den Schnittstellen zwischen Technologie, Gesellschaft und menschlicher Gläubigkeit. Seine Arbeiten erkunden, wie künstliche Systeme zu neuen Formen von Sinngebung und Macht führen. Fasola schreibt Science-Fiction und spekulative Erzählungen, die philosophische Fragen in narrative Szenarien übersetzen. Seine Texte zeichnen sich durch psychologische Tiefe und eine kritische Perspektive auf institutionelle Strukturen aus. Mit »Die Propheten der Maschine« legt der Autor eine Sammlung vor, die Glaube und Kontrolle in einer zunehmend digitalisierten Welt hinterfragt.