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Was macht die Großstadt mit dem Menschen? Georg Simmels Essay von 1903 ist der Gründungstext der Stadtsoziologie - und von verblüffender Aktualität. Simmel beschreibt die "Steigerung des Nervenlebens" im Gedränge der Metropole: die permanente Reizüberflutung, gegen die sich der Großstädter mit Intellektualität, Distanz und Blasiertheit panzert. Er zeigt, wie die Geldwirtschaft alle Beziehungen auf Berechenbarkeit und Pünktlichkeit trimmt - und wie die Großstadt zugleich ein einzigartiges Versprechen einlöst: individuelle Freiheit, wie sie keine Kleinstadt gewähren kann. Kaum ein Text von so geringem Umfang hat so große Wirkung entfaltet: Von der Chicagoer Schule der Soziologie bis zur heutigen Urbanistik berufen sich Stadtforscher auf Simmels Analyse. Wer über Metropolen, Stress, Anonymität und urbane Freiheit nachdenkt, beginnt am besten hier - Pflichtlektüre für Studierende der Soziologie und ein Lesegenuss für alle Stadtbewohner, die sich selbst verstehen wollen. Diese digitale Neuausgabe folgt dem gemeinfreien Erstdruck im "Jahrbuch der Gehe-Stiftung zu Dresden" (1903) und ist vollständig verlinkt und sorgfältig geprüft.
Georg Simmel (1858-1918) gehört neben Max Weber und Émile Durkheim zu den Begründern der modernen Soziologie. Der Berliner Philosoph lehrte an der Berliner Universität, ab 1914 als Ordinarius in Straßburg. Simmel war der große Analytiker der Großstadt und der Moderne; seine Werke - neben "Die Großstädte und das Geistesleben" (1903) vor allem die "Philosophie des Geldes" (1900) und die "Soziologie" (1908) - prägen die Kultur- und Sozialwissenschaften bis heute.