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Einundzwanzig Essays über die Bindung, die man herstellen muss.
Sie beginnen beim wandernden Gesellen, der drei Jahre und einen Tag unterwegs sein musste, unverheiratet und schuldenfrei - und bei der Frage, was ein Ort leistet, der weder Zuhause noch Arbeitsplatz ist. Sie handeln von Einsamkeit und Scham: davon, warum Menschen sich zurückziehen, wenn es ihnen schlecht geht, und warum Warten dann nie hilft. Von neun Königen, die einander duzten und vier Jahre später Krieg führten. Und von der Brüderlichkeit als dem dritten und schwersten der drei Begriffe - Freiheit und Gleichheit lassen sich einklagen, dieser nicht. Sie prüfen die Formen, in denen Bindungen sich halten: das Ritual, dessen schlechte Ausführung nicht neutral, sondern schädlich ist. Die Musik, die zweimal verlorenging - einmal durch Verbot, einmal durch Bequemlichkeit. Und ein Kleidungsstück, das Gleichheit verspricht und den Rang genauer anzeigt als alles andere im Raum. Sie nehmen sich das Friedensgebot vor, und sie folgen der Kette über Grenzen - dorthin, wo sie gehalten hat und wo sie riss: zu einem Gelehrten mit einer Kartei und sieben Männern, die 1943 im Lager Esterwegen eine Loge gründeten, ohne Raum, ohne Werkzeug, ohne alles. Jeder Essay ruft höchstens zwei Denker auf, von Zhang Zai und Rumi über Ashoka und al-Shaybani bis Sen no Rikyu und Kwasi Wiredu.
Gerhard Ebeling, Jahrgang 1957, geboren in Niedersachsen, lebt bei Hannover. Beruflich war er als internationaler IT-Manager in verschiedenen Zweigen der Finanzwirtschaft tätig - in einer Branche, in der sich täglich entscheidet, ob eine Ordnung auch dann trägt, wenn niemand sich Mühe gibt. Seit 2007 ist er Freimaurer, seit 2025 Herausgeber der Zeitschrift Die Stossfuge. Aus deren Essays entstand Ritual trifft Realität: vier Bände, achtzig Texte über das Maß, das man an sich selbst anlegt, über Bindungen, die hergestellt werden müssen, über Ordnungen, die scheitern können müssen - und über das, was man vorfindet, ohne es erfunden zu haben.
Über mich als Autor Ich habe über dreißig Jahre lang dafür gesorgt, dass Systeme funktionieren, auf die sich Menschen verlassen, ohne sie zu verstehen. Wer das lange genug tut, lernt eine unbequeme Sache: Es kommt selten auf den guten Willen der Beteiligten an. Es kommt darauf an, ob die Konstruktion trägt, wenn jemand müde, unaufmerksam oder eigennützig ist. Dieselbe Frage stellt sich anderswo. Bei einer Gemeinschaft. Bei einer Verfassung. Und bei einem Menschen, der sich vornimmt, besser zu werden. Seit 2007 bin ich Freimaurer. Der Bund arbeitet mit den Werkzeugen des Steinmetzhandwerks - dem rauen Stein, der Kelle, dem Senkblei, dem Zirkel -, und irgendwann stellte sich mir die Frage, was diese Bilder außerhalb der Loge noch taugen. Ob sie etwas erklären oder nur schmücken. Die Essays dieser Reihe sind der Versuch einer Antwort. Sie handeln nicht von der Freimaurerei. Sie benutzen ihr Werkzeug und legen es an das an, was ohnehin da ist: an die Frage nach dem gelingenden Leben, an die Bedingungen von Bindung, an die Verfassung unserer Institutionen und an das, was wir geerbt haben, ohne es erfunden zu haben. Es sind keine Ratgeber. Sie beantworten wenig und halten manches offen, was sich schließen ließe, wenn man weniger genau wäre. Wer sie liest, braucht keine Vorkenntnisse. Wer eine Enthüllung erwartet, wird enttäuscht.