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Rom, Ende der 1970er-Jahre: In den kühlen, staubigen Korridoren des vatikanischen Staatssekretariats verwaltet der junge Skriptor Matteo Varsi die Schattenakten der Kurie. Er funktioniert präzise, lautlos und unauffällig innerhalb einer gigantischen Maschinerie aus Macht, Disziplin und gegenseitiger Erpressbarkeit. Doch als er im Sommer 1978 zur Inventur in die verfallene Villa dei Cedri an der Via Appia geschickt wird, bricht sein eisern gepanzertes Weltbild zusammen. Dort begegnet er dem heimatlosen Steinmetz Luca, der mit der Restauration der antiken Marmorstatuen betreut ist. Zwischen den bröckelnden Mauern des Anwesens und im Schatten der Pinien entflammt eine verbotene, leidenschaftliche Liebe, die Matteo erstmals spüren lässt, was Leben und Würde bedeuten. Doch das Machtgefüge in Rom duldet keine Abweichung. Während die Schlagzeilen über den P2-Skandal, die verdeckten Transaktionen der Vatikanbank unter Marcinkus und den rätselhaften Tod des Papstes die Flure des Apostolischen Palastes erschüttern, greift die unerbittliche Hand der Kurie nach den beiden Männern. Als Monsignore Archangeli Matteo mit der Existenz seiner Familie erpresst, wird Matteo zur Entscheidung gezwungen. Luca verschwindet in den Schatten der römischen Peripherie, wo Jahre später eine namenlose, schleichende Seuche um sich greift. Matteo bleibt nur sein Stift, um die eiskalte Doktrin der Macht mit einer kompromisslosen Apologie des Fleisches zu demontieren - während sein Bruder Gabriele in den kühlen Archiven von Lucca ein unsichtbares Erbe des Widerstands antritt. Giancarlo Puzzicadenti zeichnet ein atmosphärisch dichtes, historisch präzises und tief bewegendes Panorama über die dunklen Jahre des Vatikans. Ein stilistisch gewaltiger Roman über das Spannungsfeld von Glaube, Macht und der unzerstörbaren Kraft einer verbotenen Liebe.
Giancarlo Puzzicadenti wurde 1957 in einem ländlichen Vorort von Florenz geboren. Das Klima seines von strenger katholischer Frömmigkeit bestimmten Elternhauses trieb ihn schon als Jugendlichen in die Abgeschiedenheit klösterlicher Bibliotheken. Ende der siebziger Jahre ging er nach Rom, um an der Gregoriana Kirchengeschichte und Archivwesen zu studieren. Die Jahre im Dunstkreis des Vatikans, die gepresste Stimmung in den Fluren der Macht und das miterlebte Schweigen der Kurie während der beginnenden Finanzskandale hinterließen tiefe Risse in seinem Weltbild.
Im Sommer 1981 brach er das Studium unvermittelt ab. Er entzog sich dem kirchlichen Einflussgebiet vollständig und tauchte in die politische Studentenbewegung und Hausbesetzerszene Bolognas ein.