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Berlin hat seine Anziehungskraft verloren, ist nicht mehr trendy und sexy? Dann willkommen im Stadtteil Wedding, der noch nie trendy und sexy war. Aber vielleicht gerade deshalb eine ganz besondere Anziehungskraft ausübt. Zumindest auf migrantische Machos, die sich AvocadoMasken aufs Gesicht legen, Barbiere, die ahnungslosen Passanten die Vorzüge der AperturIllusion anhand ihrer Barberpole erklären, Verliebte, die in aufgeklappten Rollkoffern den verschneiten Hang im Volkspark Rehberge hinunterrodeln, und Künstler, die an Straßenlaternen plakatierte vermisste Katzen in Öl malen. So bleibt der Wedding der Ort, wo die verrückten Prediger in der Straßenbahn die Regierung verteidigen, Dealer unsportlichen Schriftstellern das E-RollerFahren beibringen und wo sich inzwischen sogar Waschbären wohlfühlen, die den stolzen Namen 'Ariel' tragen.
Heiko Werning, geb. 1970 im westfälischen Münster, wohnt seit 1991 in Berlin-Wedding, ist Reptilienforscher aus Berufung, Froschbeschützer aus Notwendigkeit, Schriftsteller aus Gründen und Liedermacher aus Leidenschaft. Er liest seine Texte bei der Berliner 'Reformbühne Heim & Welt' und den agilen Weddinger 'Brauseboys' vor und schreibt für die taz und die Titanic.