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Es gibt Katastrophen, die sich ankündigen, ohne dass jemand zuhört. Das Deutschland der späten Weimarer Jahre war nicht blind für seine eigene Zerrüttung - es war gelähmt von ihr. Wirtschaftliche Verzweiflung, politische Fragmentierung und eine kollektive Erschöpfung nach dem Ersten Weltkrieg hatten eine Gesellschaft hinterlassen, die nicht mehr an die Institutionen glaubte, die sie schützen sollten. In dieses Vakuum trat keine Idee, sondern ein Versprechen: Ordnung, Stärke, Zugehörigkeit. Dass dieses Versprechen mit der Zerstörung all jener Strukturen erkauft wurde, die Willkür begrenzen, wurde zunächst übersehen - und später verdrängt. Der nationalsozialistische Staat war kein Unfall der Geschichte. Er war das Ergebnis einer langsamen Erosion institutionellen Vertrauens, in der das Recht aufgehört hatte, neutral zu sein. Die Gleichschaltung der Justiz, der Presse, der Universitäten und schließlich der Kirchen vollzog sich nicht durch einen einzigen Gewaltakt, sondern durch eine Abfolge von Kompromissen - jeder von ihnen getragen von Menschen, die glaubten, das Schlimmste noch verhindern zu können. Die Gestapo arbeitete nicht im Verborgenen allein. Sie arbeitete durch die Gesellschaft, die ihr freiwillig ihre Nachbarn meldete. Was als Ausnahmezustand begann, wurde zur Normalität - und was einmal normal gewesen war, zur undenkbaren Erinnerung. Das Scheitern an der Ostfront war militärisch, aber es war zuvor politisch.
Heinrich Adler schreibt Sachbücher über Wirtschaft, Strategie und persönliche Entwicklung. Seine Bücher machen komplexe Zusammenhänge verständlich und liefern praxisnahe Impulse für den Alltag.