Blick ins Buch

Helmut Lethen

Der Sommer des Großinquisitors

Über die Faszination des Bösen. 21,0 cm / 13,4 cm / 3,0 cm ( B/H/T )
Buch (Hardcover), 240 Seiten
EAN 9783737101622
Veröffentlicht Oktober 2022
Verlag/Hersteller Rowohlt Berlin
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Beschreibung

Helmut Lethen stößt auf eine Gestalt, die ihn in den Bann zieht: den Großinquisitor, der in der gleichnamigen Legende Dostojewskis den auf die Erde zurückgekehrten Jesus wie die Häretiker auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen will. Diese Verkörperung des Bösen wird zum Ausgangspunkt und Begleiter, wenn Lethen den Bogen schlägt von den Schwarzen Messen des Fin de Siècle über den Kult des Bösen in den historischen Avantgarden und die französischen «Salonnihilisten» bis in unsere Gegenwart. Denn siehe da: Der Großinquisitor geistert durch die Schriften der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, als Denkfigur der Realpolitik bei Max Weber, als regelrechtes Idol bei Carl Schmitt und bei Helmuth Plessner. Noch in Arthur Koestlers Renegaten-Roman «Sonnenfinsternis» tritt eine Art Inquisition auf und mit ihr das Grauen der Verfolgung politischer Gegner in der Sowjetunion. Wo immer der Großinquisitor auftaucht, wird in Lethens bestechenden Lektüren nicht nur das kalte, moralbefreite Denken erfahrbar, sondern auch die dahinterstehenden historischen Verwerfungen und Brüche. Ein meisterhafter Essay über Macht und Moral - und ein aufregender Ritt durch die Literatur, Philosophie und Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Portrait

Helmut Lethen (1939-2026) zählt zu den prägenden Denkern der Gegenwart und zu den charismatischsten Vertretern der Kulturwissenschaften in Deutschland. Er lehrte in Utrecht und Rostock, bevor er 2007 die Leitung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien übernahm. Sein Buch 'Verhaltenslehren der Kälte' (1994) gilt als Standardwerk, für 'Der Schatten des Fotografen' erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Über 'Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug' (2020) schrieb die 'Süddeutsche Zeitung': 'Helmut Lethens Lebenserinnerungen lesen sich wie die Autobiographie einer Generation ... Vor allem aber ist das Buch ein echter Bildungsroman.' Zuletzt erschien 'Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung' (2025), 'ein gedankenfunkelnder Essay von persönlicher Dringlichkeit', so die Jury der Sachbuch-Bestenliste von 'Zeit', ZDF und Deutschlandfunk Kultur.

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