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Der Rang dieser vier Männer ist bis heute unbestritten - und doch waren sie Teil der kulturellen Elite im Dritten Reich, ausgezeichnet mit dem Ehrentitel des «Preußischen Staatsrats»: Carl Schmitt, der brillante Jurist und Staatsrechtler, der den Nazis half, die Verfassung systematisch auszuhöhlen; der große Dirigent und Komponist Wilhelm Furtwängler, der sich auf die Immunität einer «reinen» Musik berief; Gustaf Gründgens, der schillernde Künstler, der ohne die Protektion Hermann Görings verloren gewesen wäre; schließlich der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch, der als unantastbar galt, während sich in seinem Haus auch die Attentäter des 20. Juli trafen. Wie konnte es dazu kommen, dass sich diese Männer, herausragende Vertreter des gebildeten Bürgertums in Deutschland, mit dem Nationalsozialismus einließen?
Helmut Lethen zeichnet ein faszinierendes Porträt der «Staatsräte». Er erzählt von Verführbarkeit und Unterdrückung, Opportunismus und Auflehnung, und mehr noch: Er versammelt Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch und Schmitt zu imaginären Gesprächen. Aus den Geschichten und Gedanken der vier präpariert Lethen die Physiognomie einer Diktatur - und zeigt das komplizierte Verhältnis der geistigen Elite zur Macht.
Helmut Lethen (1939-2026) zählt zu den prägenden Denkern der Gegenwart und zu den charismatischsten Vertretern der Kulturwissenschaften in Deutschland. Er lehrte in Utrecht und Rostock, bevor er 2007 die Leitung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien übernahm. Sein Buch 'Verhaltenslehren der Kälte' (1994) gilt als Standardwerk, für 'Der Schatten des Fotografen' erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Über 'Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug' (2020) schrieb die 'Süddeutsche Zeitung': 'Helmut Lethens Lebenserinnerungen lesen sich wie die Autobiographie einer Generation ... Vor allem aber ist das Buch ein echter Bildungsroman.' Zuletzt erschien 'Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung' (2025), 'ein gedankenfunkelnder Essay von persönlicher Dringlichkeit', so die Jury der Sachbuch-Bestenliste von 'Zeit', ZDF und Deutschlandfunk Kultur.