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Was ist vom wirkmächtigen, bis in die Antike zurückreichenden Ideal einer stoischen Lebensführung heute noch geblieben? Ist in Zeiten zunehmender Extreme und Katastrophen ein ausgewogenes, auf Vermittlung bedachtes Leben überhaupt möglich, oder bleibt uns nur, den Verlust der Gelassenheit zu verzeichnen, den Absturz in die Unversöhnlichkeit, in gleichgültige, lähmende Vereinzelung?
In einer faszinierenden Tour de Force beschreibt Helmut Lethen die Suche nach Möglichkeiten der Gelassenheit, von der Kältewelt des Barock bis zu den Kriegen der Gegenwart, zeigt dabei aber auch, wie stoische Prinzipien Schiffbruch erlitten haben und die Parole 'Du musst dein Leben führen!' heute kaum mehr eine Chance hat. Die Forderung nach 'Wehrtüchtigkeit' trifft auf Körper, die dazu nicht taugen. Die Spannung von Empathie und sachlicher Distanzierung überfordert die Menschen schon vor dem Fernseher. Wie ist eine Lebenspraxis des Ausgleichs heute möglich? Immer wieder kehrt Helmut Lethen dabei zu eigenen Erfahrungen und Beobachtungen unserer Gegenwart zurück - was diesen eindringlichen, gedankenfunkelnden Essay nicht zuletzt zu einem sehr persönlichen Lebensbuch macht.
Helmut Lethen (1939-2026) zählt zu den prägenden Denkern der Gegenwart und zu den charismatischsten Vertretern der Kulturwissenschaften in Deutschland. Er lehrte in Utrecht und Rostock, bevor er 2007 die Leitung des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien übernahm. Sein Buch 'Verhaltenslehren der Kälte' (1994) gilt als Standardwerk, für 'Der Schatten des Fotografen' erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. Über 'Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug' (2020) schrieb die 'Süddeutsche Zeitung': 'Helmut Lethens Lebenserinnerungen lesen sich wie die Autobiographie einer Generation ... Vor allem aber ist das Buch ein echter Bildungsroman.' Zuletzt erschien 'Stoische Gangarten. Versuche der Lebensführung' (2025), 'ein gedankenfunkelnder Essay von persönlicher Dringlichkeit', so die Jury der Sachbuch-Bestenliste von 'Zeit', ZDF und Deutschlandfunk Kultur.