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Scheinbar mühelos vermehren sich in der Moderne nicht nur die Dinge selbst, sondern auch ihre gestalterischen Formen. In einer soziologischen Neubetrachtung der europäischen Designgeschichte von der Renaissance bis zum Bauhaus rekonstruiert das Buch diesen Prozess als voraussetzungsreiche Steigerung des ästhetischen Werts der Form. Die Luxusökonomie der frühneuzeitlichen Höfe und Städte trennt die Formen der Dinge von ihrer handwerklichen Ausführung, bündelt und steigert sie. Die im 18. Jahrhundert entstehende Marktgesellschaft verwertet diese Fülle schonungslos. Der damit verbundene Verlust des geschmacklichen Zentrums evoziert einen Streit um die Form. Das Buch widmet sich in drei Fallstudien den daraus hervorgegangenen ästhetischen Ressourcen: der Musealisierung dinglicher Überlieferung, der Erfindung des Handwerks und der Verzauberung der Technik. >Moderne< erscheint so als ästhetische Steigerungsdynamik, angetrieben von immer neuen Umwertungen des Werts der Form.
Jan Wetzel studierte Soziologie und Kommunikationswissenschaft in Dresden und Berlin und war als Journalist tätig. Im Rahmen der Vermächtnisstudie setzte er sich am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zunächst mit Zukunftsvorstellungen auseinander. Im Anschluss wendete er sich der Vergangenheit zu, forscht und publiziert seitdem an der Schnittstelle von Soziologie und Geschichte, Wirtschaft und Ästhetik. Gesellschaftliche Debatten begleitet er mit dem Podcast Das Neue Berlin.
Inhalt Dank S. 7 Einleitung S. 8 I Die Economy of Qualities S. 21 1 Die soziale Barriere und ihre Überwindung S. 23 1.1 Ästhetische Vermehrung als historisch-soziologische Leerstelle S. 23 1.2 Handwerk unter Anwesenden S. 33 1.3 Handwerk unter Abwesenden S. 49 1.4 Die Produktivität des Luxus S. 56 2 Die Autonomie der Form S. 64 2.1 Die Entgrenzung ästhetischer Gestaltung S. 65 2.2 Die Öffentlichkeit der Formen S. 69 2.3 Das Management der Werte S. 76 3 Die Geschmackspolitik S. 94 3.1 Der Wert des Geschmacks S. 94 3.2 Die Erfindung des Kunstgewerbes S. 111 3.3 Geschmack als >weiches< globales Gut S. 125 4 Theoretische Zwischenbetrachtung: Der Streit um die Form S. 139 4.1 Soziale Geschmackscharaktere S. 140 4.2 Manöver im Streit S. 150 4.3 Imaginationen der Form S. 158 II Historische Fallstudien S. 169 5 Die museale Imagination S. 171 5.1 Die Klassik der Antike S. 171 5.2 Der >banale Nationalismus< der >altdeutschen< Form S. 184 5.3 Aufstieg und Fall des Museums S. 193 6 Die handwerkliche Imagination S. 205 6.1 Der Autoritätsverlust des Museums S. 206 6.2 Die moderne Bewegung S. 213 6.3 Kritik der Handwerker-Gestalter S. 234 7 Die technische Imagination S. 242 7.1 Das Prestige der Technik S. 242 7.2 Geistige Führer der Industriegesellschaft S.252 7.3 Die Entzauberung der Technik S. 268 Schluss S. 276 Abbildungsverzeichnis S. 304 Literatur S. 308