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Joseph Roths "Hiob: Roman eines einfachen Mannes" erzählt die Geschichte des jüdischen Lehrers Mendel Singer, der mit seiner Familie aus einem ostgalizischen Schtetl nach Amerika auswandert und dort eine Reihe scheinbar biblischer Prüfungen erleidet. In klarer, zugleich rhythmisch verdichteter Prosa verbindet Roth realistische Milieuschilderung mit parabelhafter Struktur: Die moderne Emigrationsgeschichte erscheint als Variation des Buches Hiob. Zwischen Armut, Frömmigkeit, Verlust und unverhoffter Gnade entfaltet der Roman eine stille, tief bewegende Theologie des Leidens. Joseph Roth, 1894 in Brody geboren, kannte die Welt des ostjüdischen Grenzraums, die Zerbrechlichkeit der Habsburgermonarchie und die Erfahrung von Entwurzelung aus eigener Anschauung. Als Journalist und Romancier beobachtete er die Verheerungen von Krieg, Migration und Assimilation mit besonderer Schärfe. "Hiob" spiegelt sein Interesse an jüdischer Tradition, Exil und dem Verlust vertrauter Ordnungen; zugleich verrät der Roman Roths melancholische Sehnsucht nach Sinn in einer historisch zerrissenen Moderne. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die große Literatur in konzentrierter, scheinbar einfacher Form suchen. Roths Roman ist zugänglich, doch von außerordentlicher symbolischer Tiefe: eine Erzählung über Glauben, Zweifel und menschliche Würde, die weit über ihr historisches Milieu hinausreicht.