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Gibt es fotografische Fiktionen? Dadurch, dass isolierte Einzelfotografie immer von einem lack of context geprägt ist, stellt sie die prekärste Variante ästhetischer Fiktionalität dar. Im digitalen Zeitalter tritt diese Fiktionalität fast durchgängig nur als poor fiction auf - Fotografien sind hier nicht-narrative Medienartefakte, die weder Fiktionssignale noch fiktionale Genres oder einen Erzähler kennen und bei denen die Neuzentrierung weitaus spontaner erfolgt als bei fiktionalen Gemälden. Jürgen Riethmüller stellt zentrale Varianten fotografischer Fiktion dar und zeigt, warum es »die« fiktionale Fotografie nicht gibt. Dabei blickt er auch auf die post-digitalen Verschiebungen des Bildlichen, die sich hier besonders auswirken.
Jürgen Riethmüller (Dr. phil.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Kulturwissenschaften, Kunstgeschichte und Text an der Merz Akademie. Er lehrt über die Anfänge des demokratischen Denkens in Deutschland. Seine Dissertation wurde mit dem Förderpreis für junge Wissenschaftler und Künstler des Rotary-Clubs ausgezeichnet. Forschungsschwerpunkte sind die kritische Kultur- und Demokratietheorie, Fiktionstheorie sowie die Interferenzen von Politik und Kunst im Postdigitalen.