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Der ethnografische Film hat sich verändert: von einem Modus, über Menschen zu sprechen, zum Anspruch, mit ihnen in Beziehung treten, Umwelten wahrzunehmen, die Kamera aus der Hand zu geben und zu intra-agieren. Julia Bee skizziert in Erfahrungsbilder die Entwicklung von kolonialen zu transformativen Forschungspraktiken. Sie unternimmt eine kritische Relektüre der Klassiker des Genres wie Jean Rouch, Robert Gardner und David MacDougall und schlägt von dort den Bogen zu den Filmen des Sensory Ethnography Labs von Véréna Paravel, Lucien Castaing-Taylor und anderen, zum ecocinema von Elke Marhöfer und Jacquelyn Mills und zum aktivistischen Filmemachen von Vídeo nas Aldeias und Forensic Architecture. Ethnografischer Film, so ihr Resümee, produziert Wissen in und trotz Machtbeziehungen: ästhetisch und sozial situiert.
Julia Bee ist Medienwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Gender und Diversität an der Ruhr-Universität Bochum.