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Wohl kein chinesischer Text wurde so oft übersetzt, veröffentlicht und interpretiert wie das Dao De Jing (Tao Te King) von Laozi (Lao Tse). Eine neuerliche Bearbeitung mag daher ebenso fragwürdig wie geboten erscheinen.
Meine Kenntnisse der chinesischen Sprache sind nur gering. Bei der Beschäftigung mit älteren Übersetzungen bemerkte ich jedoch, dass die literarische Qualität nicht selten hinter den hineininterpretierten oder herausgelesenen "Weisheiten" zurücktrat.
Meine Arbeit orientiert sich deshalb vor allem an der Sprache. Die einzelnen Schriftzeichen werden dabei nicht unbedingt wörtlich übersetzt, sondern mitunter etymologisch untersucht und durch ein entsprechendes sprachliches Pendant wiedergegeben. Das Fehlen von Interpunktion bleibt erhalten. Die gelegentliche Undeutlichkeit, ob ein Zeichen beispielsweise als Substantiv oder Verb zu verstehen ist, wird durch konsequente Kleinschreibung zumindest angedeutet.
Auf diese Weise soll die Vielfalt möglicher Deutungen in hohem Maß erhalten bleiben.
Alle Fotografien dieses Bandes wurden in den Wudang-Bergen aufgenommen. Um die Texte in ihrer Ruhe und Ursprünglichkeit stehen zu lassen, wurde bewusst auf Kommentare und Erklärungen verzichtet.
So begegnen sich in diesem Buch die Worte des Laozi und die Landschaft, in der die daoistische Tradition bis heute lebendig ist.
Alle Photos in diesem Band wurden in den Wudang Bergen aufgenommen. Um die Texte in ihrer Ruhe und Ursprünglichkeit stehen zu lassen, habe ich darauf verzichtet, Kommentare und Erklärungen abzugeben. In dem Blog daolaozi.blogspot.com werden nach und nach alle Verse und ihre Übersetzungen erläutert.
Lao Zi (Lao Tse) war Archivar in der königlichen Bibliothek am Hofe der Zhou, im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Als er den Untergang des Reiches vorhersah, verließ er das Land. Am Shan-Gu Pass, 70 Kilometer westlich der damaligen Hauptstadt Xi'an, traf er den Gelehrten Yin Xi, der dort einen Turm zur Beobachtung des Wetters und der Gestirne errichtet hatte. Die beiden Gelehrten fanden wohl Gefallen aneinander und Yin Xi forderte Lao Zi auf, sein Wissen nieder zu schreiben. Diese Vers-Sammlung wurde als Dao De Jing (Tao Te King) bekannt. Yin Xi legte alle Ämter nieder und folgt der Lehre des Lao Zi. Letztlich, so sagt die Legende, sei er in die Wudang Berge gekommen. Unterhalb des Gipfels, hinter dem Dritten Himmlischen Tor, wird Yin Xi in einer kleinen Höhle verehrt.