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Rom atmet. Es riecht nach Schweiß, Rauch und heißem Metall. Unter dem Travertin des Kolosseums schlagen Kessel, drehen sich Zahnräder, und ein Mann zählt - Umdrehungen, Sprossen, Atemzüge - weil der Schlaf ihn längst verlassen hat.
Lavinia Carbone entführt uns in acht ungewöhnliche Erzählungen ins Herz des antiken Roms - doch nicht jenes glanzvolle, marmorne Rom der Triumphe und Senatssitzungen. Ihr Rom liegt tiefer: in den schimmernden Hypogäen unter dem Circus, in verrauchten Werkstätten, in den feuchten Gängen, durch die sich jene Menschen zwängen, die das Spektakel erst möglich machen. Mechaniker, Tierpfleger, Boten, Sklavinnen, Handwerker - Menschen, deren Namen in keiner Inschrift stehen und die dennoch das Herz der Stadt am Schlagen halten.
Die eröffnende Titelgeschichte setzt den Ton mit meisterhafter Spannung: Titus Varro, Chefingenieur der unterirdischen Dampfanlagen des Kolosseums, findet kurz vor Spielbeginn eine Leiche - und muss in weniger als neunzig Minuten gleichzeitig den Kessel retten, die Wahrheit ergründen und seinen Bruder schützen. Carbone verbindet in diesem Auftakt antike Handwerkskunst mit dem Rhythmus eines modernen Thrillers, ohne je in Anachronismus zu verfallen. Ihre technischen Details fühlen sich so handfest und glaubwürdig an, dass man den Kupfergeruch des heißen Metalls förmlich in der Nase spürt.
Was alle acht Geschichten dieses Bandes verbindet, ist ein seltenes Gespür für die kleinen Dramen unter den großen Ereignissen der Geschichte. Carbone interessiert nicht der Kaiser auf dem Podest, sondern der Mann, der den Mechanismus reguliert, damit die Kulisse pünktlich aufsteigt. Sie schreibt präzise, atmosphärisch dicht und mit einer Wärme für ihre Figuren, die den Leser unweigerlich in deren Schicksal hineinzieht.
Ein unverzichtbares Lesevergnügen für alle, die historische Fiktion neu denken wollen.
Lavinia Carbone ist eine Autorin, die sich auf historische Erzählungen mit unverhofften Wendungen spezialisiert hat. Ihre Geschichten erforschen die verborgenen Mechanismen der Macht und die stillen Leben derer, die im Schatten der Großen arbeiten. Mit einem besonderen Interesse für antike Welten und ihre technologischen Wunder verbindet Carbone intensive Recherche mit dichter, atmosphärischer Prosa. Sie lebt in Deutschland und widmet sich dem Schreiben von Kurzgeschichtensammlungen, die Geschichte neu erzählen und dabei tiefe menschliche Wahrheiten offenbaren.