Installieren Sie die genialokal App auf Ihrem Startbildschirm für einen schnellen Zugriff und eine komfortable Nutzung.
Tippen Sie einfach auf Teilen:
Und dann auf "Zum Home-Bildschirm [+]".
Die Österreichische Schule der Nationalökonomie gehört zu den einflussreichsten und zugleich umstrittensten Strömungen der modernen Wirtschaftswissenschaft. Ihre Vertreter haben die Art und Weise, wie wir über Märkte, Preise, Geld, Kapital, Unternehmertum, Wettbewerb und wirtschaftliche Ordnung nachdenken, nachhaltig geprägt. Doch ihre Bedeutung erschöpft sich nicht in einer Reihe historischer Theorien. Die Österreichische Schule stellt eine grundlegende Frage, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat: Wie entsteht wirtschaftliche Ordnung, wenn Millionen von Menschen mit unterschiedlichen Zielen, Erwartungen, Informationen und Vorstellungen handeln? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt des vorliegenden Buches. Die Geschichte der Österreichischen Schule beginnt vor allem mit Persönlichkeiten wie Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk und später Ludwig von Mises. Jeder von ihnen entwickelte unterschiedliche Elemente einer Denktradition, die sich gegen bestimmte Grundannahmen der damals dominierenden klassischen und später neoklassischen Wirtschaftswissenschaft richtete. An die Stelle abstrakter Modelle trat stärker der handelnde Mensch; an die Stelle eines objektiv verstandenen Wertes trat die subjektive Bewertung; und an die Stelle der Vorstellung einer vollständig planbaren Wirtschaft trat die Erkenntnis, dass wirtschaftliches Wissen auf unzählige Individuen verteilt ist. Carl Menger legte mit seiner Theorie des subjektiven Wertes und seiner Analyse der Entstehung wirtschaftlicher Institutionen wichtige Grundlagen. Eugen von Böhm-Bawerk entwickelte eine differenzierte Kapital- und Zinstheorie und beschäftigte sich insbesondere mit der Rolle der Zeit in wirtschaftlichen Entscheidungen. Ludwig von Mises führte diese Tradition weiter und verband die Theorie des menschlichen Handelns mit einer umfassenden Kritik an Sozialismus, staatlicher Wirtschaftslenkung und monetären Verzerrungen. Später trug Friedrich August von Hayek entscheidend dazu bei, die Bedeutung verstreuten Wissens, der spontanen Ordnung und der Preissignale für das Verständnis komplexer Gesellschaften hervorzuheben. Im Zentrum dieser Denktradition steht der Begriff des menschlichen Handelns. Wirtschaft entsteht nicht unabhängig vom Menschen und auch nicht allein durch statistische Aggregate. Hinter jeder Nachfrage, jedem Angebot, jeder Investition, jeder Ersparnis und jedem Preis stehen Entscheidungen von Individuen. Menschen handeln, weil sie bestimmte Ziele verfolgen und ihre gegenwärtige Situation verändern möchten. Dabei verfügen sie niemals über vollständige Informationen. Sie müssen Erwartungen bilden, Risiken einschätzen und Entscheidungen unter Bedingungen von Unsicherheit treffen. Gerade deshalb besitzt die subjektive Werttheorie eine so zentrale Bedeutung. Ein Gut besitzt keinen wirtschaftlichen Wert ausschließlich aufgrund seiner materiellen Eigenschaften oder der Menge an Arbeit, die zu seiner Herstellung erforderlich war. Sein Wert hängt davon ab, welche Bedeutung ein Individuum diesem Gut unter bestimmten Bedingungen beimisst. Dasselbe Produkt kann für verschiedene Menschen einen vollkommen unterschiedlichen Wert besitzen. Preise entstehen daher nicht einfach aus einer objektiven Eigenschaft der Dinge, sondern aus der Wechselwirkung subjektiver Bewertungen und wirtschaftlicher Entscheidungen.