Installieren Sie die genialokal App auf Ihrem Startbildschirm für einen schnellen Zugriff und eine komfortable Nutzung.
Tippen Sie einfach auf Teilen:
Und dann auf "Zum Home-Bildschirm [+]".
Der Jemen ist weit mehr als ein vom Krieg gezeichnetes Land am südlichen Rand der Arabischen Halbinsel. Er ist ein geopolitischer Brennpunkt, an dem sich die Interessen regionaler Mächte, globaler Akteure, religiöser Bewegungen, lokaler Stämme und internationaler Handelsnetze überschneiden. Kaum ein anderer Ort im Nahen Osten zeigt so deutlich, wie eng lokale Konflikte und globale Machtpolitik miteinander verbunden sind. Die besondere Bedeutung des Jemen ergibt sich zunächst aus seiner Geografie. An seiner westlichen Küste liegt die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit indirekt mit dem Indischen Ozean verbindet. Zusammen mit dem Suezkanal bildet diese maritime Passage eine der wichtigsten Handelsverbindungen zwischen Asien, Europa und dem Nahen Osten. Container, Energierohstoffe und strategisch wichtige Güter passieren diese Route täglich. Wer Einfluss auf die Sicherheit dieser Verbindung ausüben kann, besitzt damit ein Instrument, das weit über die Grenzen des Jemen hinausreicht. Genau hier beginnt das geopolitische Paradox des Landes: Der Jemen gehört zu den ärmsten Staaten der Region, besitzt jedoch eine strategische Bedeutung, die in keinem Verhältnis zu seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten steht. Seine Schwäche hat ihn nicht aus der internationalen Machtpolitik herausgehalten im Gegenteil. Sie hat ihn zu einem Schauplatz gemacht, an dem größere Mächte ihre Interessen verfolgen. Um den heutigen Konflikt zu verstehen, reicht es deshalb nicht aus, die Ereignisse seit 2015 isoliert zu betrachten. Die Wurzeln der Krise reichen wesentlich weiter zurück. Die politische Geschichte des Jemen ist geprägt von regionalen Identitäten, Stammesstrukturen, religiösen Traditionen, wirtschaftlicher Ungleichheit und einem schwierigen Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie. Die jahrzehntelange Teilung in Nord- und Südjemen hinterließ politische und gesellschaftliche Bruchlinien, die auch nach der Vereinigung von 1990 nicht vollständig verschwanden. Die Vereinigung sollte den Beginn einer stabileren politischen Epoche markieren. Stattdessen entwickelte sich das Land zunehmend zu einem Schauplatz konkurrierender Machtzentren. Der Staat blieb schwach, während lokale Eliten, Stammesstrukturen, politische Bewegungen und militärische Netzwerke erheblichen Einfluss bewahrten. Die Hoffnung auf eine demokratische und wirtschaftliche Konsolidierung wurde durch Korruption, soziale Spannungen und politische Machtkämpfe immer wieder enttäuscht. Der Arabische Frühling von 2011 verschärfte diese Dynamik. Der Sturz beziehungsweise die politische Ablösung der langjährigen Führung schuf kein stabiles Machtvakuum, das durch funktionierende Institutionen ausgefüllt werden konnte. Stattdessen öffnete sich ein Raum, in dem verschiedene Akteure um politischen und territorialen Einfluss kämpften. Der Aufstieg der Huthi-Bewegung veränderte schließlich das Kräfteverhältnis grundlegend. Mit der Einnahme Saanas durch die Huthi im Jahr 2014 trat der Konflikt in eine neue Phase ein. Die anschließende Intervention einer von Saudi-Arabien geführten Koalition im Jahr 2015 machte aus einem innerjemenitischen Machtkampf zunehmend einen regionalen Krieg. Saudi-Arabien betrachtete die Entwicklung an seiner südlichen Grenze als unmittelbare Sicherheitsbedrohung. Der Iran wiederum wurde zum wichtigsten externen Bezugspunkt der Huthi-Bewegung. Damit wurde der Jemen zu einem weiteren Schauplatz der strategischen Rivalität zwischen Riad und Teheran.