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Stellen Sie sich vor, Sie sind tot, und das ganze Elend geht einfach weiter. In Máirtín Ó Cadhains Cré na Cille sind sämtliche Protagonisten tot und begraben, doch unter der Erde treffen sie sich wieder - und jammern, lästern, schimpfen, fluchen und intrigieren, was das Zeug hält. Die Hölle? Vielleicht. Vor allem aber ein sprachliches Feuerwerk, dessen Autor nicht zu Unrecht als der irischsprachige Joyce gilt. Ó Cadhains Kultroman von 1949 ist das wichtigste Buch des gälischsprachigen Irland, ein Mythos im übrigen Irland - bis sich Alan Titley an die erste englische Übersetzung wagte, erschienen im Mai 2015 als The Dirty Dust; etliche Sprachen folgen. Auf Deutsch erscheint der Roman am St. Patrick's Day 2017 (17. März). Ins Deutsche übertragen hat ihn die bekannte Übersetzerin Gabriele Haefs.
Máirtín Ó Cadhain, in Irland selbst auf einer Stufe mit James Joyce, gilt als einer der wichtigsten Autoren in gälischer Sprache und als Erneuerer der gälischsprachigen Literatur. Er wurde 1906 westlich von Galway - in einer fast ausschließlich gälischsprachigen Gegend - geboren und starb 1970 in Dublin. Man sagt, bis zu seinem sechsten Lebensjahr habe er kein Wort Englisch gehört. Er war zunächst Lehrer, engagierte sich dann immer stärker in der Irisch-Republikanischen Armee und verlor 1936 seine Arbeit wegen Auseinandersetzungen mit dem örtlichen Pfarrer. Von 1940 bis 1944 war Ó Cadhain interniert und kehrte während dieser Zeit der IRA den Rücken; nach dem Krieg arbeitete er in Dublin als Übersetzer und Professor für Literatur. Kurz vor seinem Tod erhielt er einen Ruf an das Trinity College in Dublin, wo ein Lesesaal nach ihm benannt ist.