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Wie schmeckt Migration im Alltag - zwischen Plattenbau, Hinterhof und Neckarufer?
Dieses Buch führt mitten hinein in die Küchen kleiner Einwanderer-Gemeinschaften in deutschen Städten. Jedes Kapitel ist eine erzählende Mini-Regionalgeschichte: präzise verortet in einem Stadtteil, dicht an Menschen, Gerüchen und Geräuschen - und immer mit einem offenen Blick für Biografien, Brüche und Neuanfänge.
Martin A. Keller besucht u. a. kirgisische Familien in Berlin-Marzahn, tamilische Köchinnen in Stuttgart-Bad Cannstatt, polnisch-oberschlesische Bäcker im Ruhrpott, vietnamesische Nachbarschaften in Leipzig-Grünau, marokkanische Gemeinden in Köln-Ehrenfeld oder ukrainische Küchen auf der Hamburger Elbinsel. Er sitzt an Küchentischen, hört Geschichten zu und lässt sich zeigen, wie Alltagsgerichte, Festtagsessen und improvisierte Notlösungen entstehen.
Der erzählerische Teil jedes Kapitels macht den jeweiligen Stadtteil und seine Mikro-Diaspora lebendig: Wie hat sich das Viertel verändert? Welche Läden, Imbisse, Cafés oder Vereine sind entstanden? Wie mischen sich Gerüche auf Treppenhäusern, Wochenmärkten und Spielplätzen? Dabei geht es nicht um touristische Folklore, sondern um die leisen Verschiebungen, mit denen Einwanderung den Geschmack deutscher Städte verändert.
Daran schließen sich jeweils 6-8 Rezepte an, die als Kulturzeugnisse verstanden und alltagstauglich aufbereitet werden. Jedes Rezept wird eingebettet in seine Geschichte: Woher stammt es? Wann wird es traditionell zubereitet? Wer kocht es im Viertel und warum gerade so? Dazu kommen praktische Hinweise, wie sich diese Gerichte in deutschen Küchen wirklich umsetzen lassen:
- präzise Mengenangaben statt vager "Prisen" - möglichst genaue Übersetzungen fremder Zutaten in das, was in Supermärkten, Discountern und Drogeriemärkten verfügbar ist - Vorschläge für Ersatz-Zutaten, falls etwas nicht zu
Martin A. Keller arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Essen, Stadt und Erzählen. Er recherchiert in Vierteln, in denen sich neue und alte Nachbarschaften begegnen, und verbringt viel Zeit an Küchentischen, auf Wochenmärkten und in kleinen Lebensmittelläden. Seine Texte sind in verschiedenen Zeitungen, Magazinen und Online-Formaten erschienen, in denen er über Stadtentwicklung, Migration und Alltagskultur schreibt. Für dieses Buch hat er über einen längeren Zeitraum wiederholt dieselben Orte besucht, Gespräche geführt, beim Kochen zugeschaut und nach den Geschichten hinter den Rezepten gefragt. Keller versteht sich nicht als Starkoch, sondern als präziser Beobachter: Ihn interessiert, wie Menschen mit begrenztem Budget, knapper Zeit und den