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Wie entstehen staatsfeindliche Biographien? Martina Schiebel untersucht in ihrer Studie, wie in Ost- und Westdeutschland der 1950er und 1960er Jahre politische 'Staatsfeind:innen' gesellschaftlich hergestellt wurden und wie die entsprechenden Personen damit umgegangen sind. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur staatliches Handeln, sondern der soziale Prozess, durch den bestimmte Personen oder Gruppen als loyal oder als bedrohlich wahrgenommen wurden. Methodisch entwickelt die Studie einen rekonstruktiven Ansatz, der einerseits verschiedene theoretische Perspektiven miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist das Konzept der politischen Kultur, das mit Ansätzen aus der Öffentlichkeits- und Institutionentheorie ergänzt und figurationssoziologisch gebündelt wird. Andererseits wird, um den sozialen Konstruktionsprozess politischer 'Staatsfeind:innen' empirisch zu erfassen, ein triangulierender Zugang verschiedener Untersuchungsebenen gewählt: Biographien, persönliche Dokumente, Archivmaterialen, Strafprozessakten, öffentliche Debatten und mediale Diskurse. So rekonstruiert die Studie eine 'Figuration der Geachteten und der Geächteten' - ein dynamisches Geflecht von Anerkennung und Ausgrenzung. Veränderungen darin sind eng mit wechselnden Machtkonstellationen und historischen Einschnitten verbunden.
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Martina Schiebel, PD Dr., ist Soziologin mit Schwerpunkt in der rekonstruktiven Sozialforschung. Aktuell leitet sie das DFG-Projekt »Generationen im Protest. Zivilgesellschaftliches Engagement in intergenerationaler und biographischer Perspektive« an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
Inhalt Vorwort 1. Einleitung 1.1 Politische Situation und Strafverfolgungen in Deutschland nach 1945 1.2 Mediale Öffentlichkeiten 2. Theoretischer und methodologischer Ansatz der Studie 2.1 Konzeptionelle Überlegungen 2.1.1 Zum Konzept der politischen Kultur 2.1.2 Triangulierende Forschungsmethodologie 2.2 Empirische Basis und methodische Herangehensweise 2.2.1 Triangulierende Biographieforschung 2.2.2 Zur Datenbasis der Untersuchung 3. Biographische Verarbeitungsformen der politischen Strafverfolgung in Ostdeutschland 3.1 Politisches Engagement im Zeichen des Antikommunismus Peter Nebel: "...bis dahin war ich ein Gegner der DDR, danach hab ich sie gehasst" (17/43) 3.1.1 Zur Struktur der Selbstpräsentation Peter Nebels 3.1.2 Politische Sozialisation 3.1.3 Nachkriegszeit: Begegnungen mit den Besatzungsmächten 3.1.4 Politisches Engagement 3.1.5 Inhaftierung, Haftzeit und politisches Engagement nach der Entlassung 3.1.6 Biographische Be- und Verarbeitungsformen der politischen Inhaftierung 3.1.7 Politisches Engagement im Zeichen des Antikommunismus: fallübergreifende Konturierungen Anton Malente: "Der Mensch steht im Mittelpunkt" 3.1.8 Zusammenfassung: Politisches Engagement im Zeichen des Antikommunismus 3.2 Wider das Vergessen Eberhard Brandt: "Wir sind keine Täter, wir sind genauso Opfer wie die andern" (20/28-29) 3.2.1 Selbstpräsentation Eberhard Brandts 3.2.2 Politische und biographische Umbrüche 3.2.3 Internierung 3.2.4 Fremdheit nach Entlassung und Inhaftierung 3.2.5 Flucht und Neuanfang im Westen 3.2.6 Erinnerung lebendig halten: Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung 3.2.7 Biographische Be- und Verarbeitungsformen der Internierung und Inhaftierung: Wider das Vergessen 3.2.8 Wider das Vergessen: fallübergreifende Konturierungen: Ilse Leidinger, Margarethe von Thalen, Hannelore Appelt 3.3 Öffentliche Anpassung - Normalisierung Heinz Oswald: "... 'Sie sind verhaftet wegen Staatsverbrechen, nu halten Sie endlich die Schnauze', so das hab ich mir zu eigen jemacht, hab künftig die Schnauze jehalten" (5/33) 3.3.1 Kontaktaufnahme mit Heinz Oswald 3.3.2 Zur Selbstpräsentation Heinz Oswalds im Interview 3.3.3 Das Leben nach der Haftentlassung 3.3.4 Das Leben vor der Haftentlassung 3.3.5 Erzählung über die Verhaftung 1956 und autobiographische Dokumentation 3.3.6 Die Verhaftung im Spiegel von Akten und medialer Berichterstattung 3.3.7 Biographische Be- und Verarbeitungsformen der Inhaftierung: Öffentliche Anpassung/Normalisierung 3.3.8 Öffentliche Anpassung/Normalisierung: fallübergreifende Konturierungen Günter Meisner: "Ich habe mich äh immer versucht nicht wahr hier, anzupassen nicht wahr" (44/33) 3.3.9 Der Untertypus: Bemühen um Normalisierung Hans Westermann: "Wie kann nur so=n=so=n=so=n Gutachter so so=n Scheißdreck schreiben (...) die psychischen Schäden hätten damit [mit der Inhaftierung, M.S.] überhaupt nichts zu tun" (51/44-47) 3.4 Christlich-soziale Reformwillige 3.4.1 Berufsbiographisches, kirchenpolitisches Engagement Stefan Freymuth: "Meine Motivation (....) Jura zu studieren äh war die, dass ich dann natürlich versucht hätte politisch tätig zu werden, so hab ich nur Kirchenpolitik betreiben können" (6/46-7/2) 3.4.2 Im religionspädagogischen Dienst der Kirche Greta Sänger: "Der Kirchenrat wusste oft einen Tipp dem Verbot die Spitze zu nehmen" 3.4.3 Tradition, Familie und generationsspezifisches Erleben Franziska Runge: "Wir kamen aus einer Tradition in der Jungen Gemeinde dass wir wussten wir können also für unsere Überzeugungen, für unseren Glauben, für unser politisches Bekenntnis auch inhaftiert werden" (2/3-6) 3.5 Verharmlosung der Sanktionierung/Inhaftierung Gustav Weissflog: "Also in meinem Leben trifft vieles zusammen, was möglicherweise bei anderen nicht so kompliziert ist" (52/29) 3.5.1 Sport, Politik und Krieg 3.5.2 Politische Karriere nach 1945 3.5.