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Verrat ist ein schwerwiegender Vorwurf - und ein umstrittener. Matthias Büttner untersucht dieses Phänomen im spätmittelalterlichen England und geht dabei über rein juristische Kategorien hinaus: Er zeigt, wie Verrat gesellschaftlich konstruiert und kulturell gedeutet wurde. Von der Rebellion gegen Henry III. über die Absetzung Edwards II. bis zum Hundertjährigen Krieg führten Zeitgenossen im 13. und 14. Jahrhundert erbitterte Deutungskämpfe darüber, wer als Verräter zu gelten hatte - und warum. Dabei spielten neben Gesetzen und Statuten mächtige Deutungsmuster eine Rolle: Die Judaserzählung etwa lieferte archetypische Bilder von Arglist und Schuld. Kulturelle Stereotype stigmatisierten ganze Völker. Historische Ursprungsmythen rechtfertigten Herrschaftsansprüche. Anhand vielfältiger Quellen eröffnet die Studie neue Perspektiven auf Englands politische Kultur sowie auf Logiken und Mechanismen der Devianzzuschreibung, Identitätskonstruktion und Kontingenzbewältigung.
Matthias Büttner war als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen tätig
Inhalt
Vorwort 1. Einleitung: Verrat im spätmittelalterlichen England 1.1 Ein Perspektivwechsel 1.2 Methode und Fragen 1.3 Untersuchungsgang 1.4 Die Quellensprachen 2. Die Identifizierung des Verrats 2.1 Deutungskämpfe: Rebellion als Recht, Pflicht und Missetat (ca. 1258-1267) 2.1.1 Heimliche Ränkespieler 2.1.2 Evidente Hochverräter 2.2 Deutungsmuster 2.2.1 Archetypik: Die Erzählung von Judas Iskariot 2.2.2 Dispositionalität: Körper, Seele und Sozialisation 2.3 Zwischenfazit 3. Die Verortung des Verrats 3.1 Deutungskämpfe: -Befriedung-, Eroberung und die Peripherie (ca. 1272-1350) 3.1.1 Rebellische Anrainer 3.1.2 Deserteure und Überläufer 3.2 Deutungsmuster 3.2.1 Kulturalität: Das Fremde und das Eigene 3.2.2 Historizität: Vergangenheit und Zukunft 3.3 Zwischenfazit 4. Die Entgrenzung des Verrats 4.1 Deutungskämpfe: Bürgerkrieg im Schatten der Strafliturgie (ca. 1307-1330) 4.1.1 Machtgierige Günstlinge 4.1.2 Gottlose Tyrannen 4.2 Deutungsmuster 4.2.1 Institutionalität: Justizkorruption und -missbrauch 4.2.2 Konstruiertheit: Rechtssetzung und -ausdeutung 4.3 Zwischenfazit 5. Fazit: Konstruktion und Deutung eines Stigmas 5.1 Logiken und Mechanismen des Deutungskampfes 5.2 Formen und Entwicklung von Deutungsmustern
Anhang Transkriptionen ......................................................303 a) 1319 Mai 28 ....................................................304 b) 1321 Januar 23 .................................................304 c) 1322 August 7 ..................................................309 d) 1326 Juni 25 ...................................................311 e) 1339 März 18 ...................................................312 Siglen ...............................................................315 Abbildungen .........................................................317 Ungedruckte Quellen .................................................319 Gedruckte Quellen ....................................................321 Literatur .............................................................333