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Ursprünglich als philosophische Problemstellung aufgekommen, erhob Freud das 'Unbewusste' zum Zentralbegriff der Psychoanalyse. Die Autoren zeichnen die Entwicklung des Begriffs in seiner ganzen Vielfalt nach und unterscheiden dabei zwischen einem vertikalen und horizontalen Modell des Unbewussten. Während das vertikale Unbewusste gleich einer Verdrängungsmaschine arbeitet, entspricht das horizontale einem Resonanzraum. Nach der Leitvorstellung psychoanalytischer und tiefenpsychologischer Therapien bedarf es einer Bearbeitung der vertikalen Ebene in Form der Bewusstmachung des Unbewussten mit der Zielsetzung, dass das Ich wieder 'Herr im eigenen Haus' wird. Demgegenüber trägt das horizontale Modell den vielfachen Resonanzen in der Behandlungssituation Rechnung, die entsprechend Freuds Diktum 'Unbewusstes versteht Unbewusstes' für die therapeutische Beziehungsgestaltung von größter Bedeutung sind. Um das Konzept in all seiner Komplexität zu begreifen, kann man sich nicht für eines dieser Modelle entscheiden; vielmehr, so die Autoren, müssen beide in ihrem Zusammenspiel berücksichtigt werden. Dies birgt ein neues Verständnis des Verhältnisses von psychoanalytischer Theorie und Praxis.
Günter Gödde ist psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis, Dozent, Supervisor, Lehrtherapeut und langjähriger Ausbildungsleiter in der Therapeut*innenausbildung sowie Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zum Unbewussten, zur psychodynamischen Psychotherapie sowie zur Therapeutischen und Kritischen Lebenskunst.
Stand: Januar 2026
Inhalt
Vorwort
Einleitung Der Metaphernreichtum des Unbewussten - Perspektivität Vorgeschichte der Seelenlehren
Das 'vertikale' Unbewusste - Schichtmodelle von Verdrängung und Repression Drei philosophische Kontroversen über Bewusstsein und Unbewusstes Leibniz versus Descartes - Die Anfänge einer bis heute dauernden Problemgeschichte Romantik versus Aufklärung - Von der 'Lebenskraft' zum vitalen Unbewussten 'Wille' versus 'Intellekt' - Die Wende zum Triebunbewussten
Erste Annäherungen an das psychisch Unbewusste - 'Verdrängung' Verdrängung und 'Wahnsinn' bei Schopenhauer Verdrängung in Nietzsches 'entlarvender Psychologie' Verdrängung in der Herbartianischen Psychologie
Die Kontroverse zwischen Bewusstseinspsychologie und Psychoanalyse
Freuds Konzeptualisierung eines Verdrängungs- und Triebunbewussten Der Stellenwert von Freuds Traumdeutung Von der Verdrängung zum dynamischen Unbewussten Die Topografie der Verdrängung Verdrängung und Trieb im Instanzenmodell
Konzeptionelle Mehrdeutigkeit des Unbewussten in tiefenpsychologischen Schulen Kompensation versus Verdrängung - Adlers Aufklärung über unbewusste Machttendenzen Jungs Hinwendung zum kollektiven Unbewussten Das Unbewusste in der postfreudianischen Psychoanalyse
Die horizontale Ergänzung
Das horizontale Unbewusste - Ein System sozialer Resonanzen Eine Zwei-Personen-Psychologie Unbewusstes versteht Unbewusstes - Resonanzphänomene Duale Kodierung Soziale Resonanz ist lebensnotwendig Kategorisierung versus Offenheit in der Psychotherapie
Die doppelte Verortung von Tiefe Die Entdeckung der Spiegelneuronen Das Verstehen von Intentionalität Relationale Psychophysiologie
Die Verbindung von vertikaler und horizontaler Dimension Emotionale Positionen Das 'Nebeneinander im Kino' Eine Schwierigkeit: Das Scannen des Gegenübers
Therapeutische Dialoge - Schlussbemerkung
Literatur