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Eine unterschätzte Gefahr und was wir dagegen tun können Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 war das Entsetzen groß über die offen antisemitischen und israelfeindlichen Reaktionen einiger Muslime in Deutschland und anderen Ländern. Omar Kamil erklärt, aus welchen nationalistischen, religiösen und antikolonialen Quellen sich der muslimische Antisemitismus speist und was gerade in Deutschland präventiv dagegen getan werden kann. Juden lebten über Jahrhunderte als 'Schutzbefohlene' in islamisch geprägten Gesellschaften - rechtlich untergeordnet, aber oft stabiler integriert als in vielen Teilen Europas. Im Kontext von Kolonialismus, europäischem Antisemitismus, arabischem Nationalismus und dem Nahostkonflikt entwickelte sich ein moderner muslimischer Antisemitismus. Nach der Gründung des Staates Israel mussten hunderttausende Juden in den 1940er- und 1950er-Jahren ihre Heimat in arabischen Ländern wie Marokko, Jemen oder Irak verlassen. Heute äußert sich muslimischer Antisemitismus häufig in israelfeindlichen Deutungsmustern und der Wahrnehmung Israels als Ausdruck kolonialer Fremdherrschaft. Omar Kamil beschreibt diese Entwicklungen prägnant und historisch fundiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem muslimischen Antisemitismus in europäischen Gesellschaften und der Frage, was getan werden kann - und bisher versäumt wurde -, um antisemitischen Ressentiments den Nährboden zu entziehen.
Omar Kamil forscht und lehrt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu jüdischer und arabisch-islamischer Geschichte sowie zu Antisemitismus im deutschen und europäischen Kontext. Er studierte in Kairo und Bayreuth, hat u.a. in Ägypten, im Sudan und in Israel gelehrt und geforscht, war wissenschaftlicher Mitarbeiter am 'Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur - Simon Dubnow' und hatte Vertretungs- und Gastprofessuren an den Universitäten Heidelberg, Erlangen, Erfurt, München und Jerusalem inne.