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Albert Camus veröffentlichte 1949 in der Zeitschrift 'Empédocle' eine Erzählung eines noch wenig bekannten Autors, und wer hätte gedacht, daß sich Paul Gadennes 'Baleine' in die Reihe der großen Geschichten um die Begegnung zwischen Mensch und Wal einschreibt, ein schmales Werk, das damit in der Nachfolge des biblischen Buchs Jona steht oder von 'Moby Dick', hier wie dort steht nicht ganz zufällig ein weißer Wal im Mittelpunkt. Langsam sickert die geheimnisvolle Anwesenheit dieses Riesen in das Bewußtsein der Bewohner eines französischen Fischerdorfs, seltsam vage und dann doch wieder scheinbar konkret geht das Gerücht um vom angeblich gestrandeten Wal, von dem alle sprechen, doch niemand weiß. Da machen sich zwei von ihnen, Pierre und Odile, als konnte sie seine Gedanken lesen, schließlich auf zu einem gemeinsamen Weg, der ihr Leben verändern mag: '-Verraten Sie mir nicht wohin ... Ich weiß es. Ich hatte dieselbe Idee.' So geht es auf einmal nicht allein um die Kreatur aus dem Meer, das beinahe Gestalt annimmt im Rhythmus, in dem Gadenne seine poetische Prosa setzt, sondern um Glauben und um Unglauben, um die Geheimnisse des Lebens und Sterbens, um Liebe und um Tod. Als Verbeugung vor ihrem eigenwilligem, kunstvollen Stil ist diese in Frankreich legendäre, ungeheuer dichte und vielschichtige Erzählung nun erstmals parallel im Original und der deutschen Übersetzung zu lesen.
Paul Gadenne (1907-1956), geboren in Armentieres, studierte in Paris, arbeitete ab 1931 als Lehrer in Rouen, ließ sich 1933, schwer erkrankt an Tuberkulose, in Bayonne am Fuße der Pyrenäen nieder. 1941 erschien sein erster Roman 'Siloe' bei Gallimard, 1952 'La Plage de Scheveningen' und 1955 'L'Invitation chez les Stirl'. Sein nachgelassener Roman 'Les Hauts-Quartiers' (1973) leitete seine Wiederentdeckung als einer der wichtigsten französischen Gegenwartsautoren ein.