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Rahel Straus: Jüdin und Deutsche, Ärztin, Mutter, Frau und Mensch. Sie trat auf Gebieten in Erscheinung, die bis dahin Männern vorbehalten waren: 1899 hielt sie als erste junge Frau in Deutschland die Abiturrede, in der sie auch die Bildungschancen für Mädchen thematisierte; sie war die erste weibliche Medizinstudentin in Heidelberg und 1908 in München die erste niedergelassene Ärztin mit eigener gynäkologischer Praxis. Rahel Straus' Erinnerungen sind der Bericht einer jüdischen Pionierin, für die Gleichberechtigung und soziales Engagement so selbstverständlich waren wie ihre Verbundenheit mit allem Deutschen. Sie ging unerschrocken ihren Weg, auch als es hieß, der Heimat den Rücken zu kehren und im Exil noch einmal von vorn anzufangen. Direkt und unmittelbar erzählt die Autorin ihr Leben, um der nächsten Generation die Hoffnungen aus einer Zeit des Aufbruchs weiterzugeben. Sie hatte einen Traum: ein Lebensweg, der bis heute beeindruckt.
Rahel Straus (1880-1963) wurde in Karlsruhe geboren und gehörte zu den ersten Frauen, die in Deutschland Medizin studierten. Nach ihrer Heirat mit Elias Straus, einem Cousin des Schriftstellers Lion Feuchtwanger, arbeitete sie als Gynäkologin in München. Als Frauenrechtlerin setzte sie sich für die Reform des Abtreibungsrechts ein und engagierte sich im Jüdischen Frauenbund für unverheiratete Mütter sowie für Opfer von Frauenhandel. Nach dem Tod ihres Mannes emigrierte sie 1933 mit ihren Kindern nach Palästina. Dort praktizierte sie weiterhin als Ärztin und widmete sich sozialen Projekten, insbesondere der Förderung von Einwanderinnen sowie von Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen. Sie starb 1963 in Jerusalem und wurde dort beigesetzt.