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Der Einbruch der modernen »Zivilisation« in Algerien war nirgendwo spürbarer als in den Städten. Pierre Bourdieu hat den irritierenden Umgang mit ihren »Segnungen« - Supermärkte, Messen, Unterwäschegeschäfte, Zeitungsleser, Motorräder, Tischfußball - in einer kaum überschaubaren Reihe von Fotografien festgehalten. Insbesondere der vestimentäre Code spielt hier eine entscheidende Rolle: Bei den Männern koexistieren traditionelle Kleidung und »moderne« Formen, während bei der weiblichen Bekleidung eine massive Tendenz zur Verschleierung erkennbar wird - eine vermeintliche »Islamisierung«, die nichts anderes ausdrückt als die Scheu einer traditionellen Geschlechterrolle vor einer »fremden« Öffentlichkeit.
Richard Groß (Dr. phil.) war Promotionsstipendiat am Schaufler Lab@TU Dresden und Projektkoordinator der Arnold Gehlen-Gesamtausgabe. Er studierte Soziologie, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft an der Technischen Universität Dresden und The New School in New York. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Sozial- und Gesellschaftstheorie sowie Technik-, Medien-, Kultur- und Zeitsoziologie.