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In Das Buch der Werwölfe untersucht S. Baring-Gould die Gestalt des Werwolfs mit gelehrter Akribie als Schnittpunkt von Volksglauben, Dämonologie, Rechtsgeschichte und früher Anthropologie. Das Werk versammelt historische Fallberichte, theologische Deutungen und ethnographische Beobachtungen, um die Entstehung und Verbreitung des Lykanthropie-Motivs in Europa nachzuzeichnen. Stilistisch verbindet es die erzählerische Anschaulichkeit viktorianischer Prosa mit dem dokumentarischen Ernst des antiquarischen Kompendiums; so steht das Buch im literarischen Kontext des 19. Jahrhunderts, in dem Folkloreforschung, Schauertradition und positivistisches Ordnungsdenken auf produktive Weise zusammenfinden. Sabine Baring-Gould, anglikanischer Geistlicher, Hagiograph, Volkskundler und unermüdlicher Sammler regionaler Überlieferungen, war prädestiniert, ein solches Werk zu verfassen. Seine breite Bildung in Theologie, Geschichte und Legendenforschung sowie sein lebenslanges Interesse an Mythen, Heiligenleben und ländlicher Kultur prägten seine Methode. Das Buch spiegelt daher nicht bloß Sensationslust, sondern den Versuch, irrationale Vorstellungen historisch zu erklären und kulturell zu verorten. Empfehlenswert ist dieses Werk für Leserinnen und Leser, die sich für die Kulturgeschichte des Monströsen, für europäische Imaginationsräume und für die Vorgeschichte moderner Horrortraditionen interessieren. Wer den Werwolf nicht nur als Schauergestalt, sondern als Symptom kollektiver Ängste und sozialer Ordnung verstehen will, findet hier eine ebenso anregende wie grundlegende Studie.