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Der Therapieplatz, genauer: die Rede von fehlenden Therapieplätzen, davon, wie man am besten einen Therapieplatz findet und was man tut, wenn man endlich einen hat, aber einem die Therapeutin nicht gefällt, ist das Symptom einer Verschiebung des Verständnisses und Selbstverständnisses von Psychotherapie. Ich nenne diese Verschiebung eine Medizinalisierung. Der Therapieplatz ist (wie das Bett im Spital oder der Platz im Pflegeheim) eine Einheit der Gesundheitsversorgung, die von den Personen, die in einer Psychotherapie zusammenkommen, möglichst unabhängig sein soll. Diese Veränderung ist nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt aufgetreten; und es gibt auch keine guten alten Zeiten, zu denen man zurückkehren könnte oder müsste. Dieser Essay ist keine kulturpessimistische Jeremiade über den Niedergang der 'echten' Psychotherapie. Er zeigt aber, welche Faktoren diese Verschiebung vorangetrieben und attraktiv gemacht haben, welche Probleme und Widersprüche dadurch entstehen und welchen Einfluss das alles auf das Bild von uns selbst hat.
Peter Schneider lebt in Zürich und arbeitet dort als Psychoanalytiker und Kolumnist. Er ist Privatdozent für Klinische Psychologie an der Universität Zürich und lehrt als Gastprofessor für History and Epistemology of Psychoanalysis an der International Psychoanalytic University in Berlin.