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Über kaum einen historischen Vorgang neuerer Zeit herrscht so viel Unklarheit und Dissens wie über die deutsche Revolution von 1918/19. Hat die sozialdemokratische Führung, die am 9. November 1918 die Regierung übernahm, die Revolution gemacht oder niedergeschlagen? Hat sie Deutschland vor dem Bolschewismus gerettet oder der Reaktion zum Sieg verholfen? Ist sie ein Ruhmesblatt oder ein Schandfleck der deutschen Geschichte? Sebastian Haffner, für seine präzisen, scharfsinnigen Analysen und Kommentare zum Zeitgeschehen bekannt, rekonstruiert hier die Ereignisse vom November 1918 bis zum März 1920 und räumt mit alten Legenden auf: mit der Leugnung des Faktums, dass überhaupt eine Revolution stattgefunden hat, mit der Behauptung, dass die Revolution eine bolschewistische gewesen sei, und schließlich mit der berühmten, bis in unsere Tage überlieferten Dolchstoßlegende. «Deutschland krankt an der verratenen Revolution von 1918 noch heute», schreibt Haffner in seinem 1969 erstmals erschienenen Buch. Inhalt Vorwort 1 Kaiserreich und Sozialdemokratie 2 Der 29. September 1918 3 Oktober 4 Die Revolution 5 Der 9. November 6 Die Stunde Eberts 7 Der 10. November: Die Marneschlacht der Revolution 8 Zwischen Revolution und Gegenrevolution 9 Die Weihnachtskrise 10 Entscheidung im Januar 11 Die Verfolgung und Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs 12 Der Bürgerkrieg 13 Die Münchner Räterepublik 14 Nemesis 15 Drei Legenden Nachwort zur Neuausgabe von 1979
Sebastian Haffner (eigentlich Raimund Pretzel), am 27. Dezember 1907 in Berlin geboren, war promovierter Jurist. Schon in den zwanziger Jahren veröffentlichte er journalistische und literarische Arbeiten. 1938 ging er mit seiner jüdischen Verlobten nach England ins Exil. 1954 kehrte er nach Berlin zurück und wurde zu einem der einflussreichsten Publizisten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er starb am 2. Januar 1999. Ausgewählte Buchveröffentlichungen: »Germany: Jekyll and Hyde« (1942; dt. 1996), »Die verratene Revolution. Deutschland 1918/19« (1970), »Anmerkungen zu Hitler« (1978), »Preußen ohne Legende« (1979), »Überlegungen eines Wechselwählers« (1980), »Von Bismarck zu Hitler« (1987), »Geschichte eines Deutschen« (2000).