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Warum werden die Menschen in der Kultur nicht glücklich? Sigmund Freuds Abhandlung von 1930 ist die große Summe seiner Kulturtheorie - und eines der meistgelesenen Bücher der Psychoanalyse. Freud entwickelt darin eine ebenso nüchterne wie beunruhigende These: Kultur beruht auf Triebverzicht. Sie schützt uns vor der Natur und voreinander, aber sie fordert dafür einen hohen Preis - die Unterdrückung von Aggression und Begehren, die sich als Schuldgefühl gegen das eigene Ich wendet. Vom "ozeanischen Gefühl" der Religion über die Frage, was Menschen vom Leben erwarten, bis zum ewigen Kampf zwischen Eros und Todestrieb: Auf wenigen Seiten entfaltet Freud eine komplette Anthropologie der Moderne. Geschrieben am Vorabend der europäischen Katastrophe, hat "Das Unbehagen in der Kultur" nichts von seiner Dringlichkeit verloren. Pflichtlektüre für Studierende der Psychologie, Philosophie und Kulturwissenschaften - und ein aufwühlendes Leseerlebnis für alle, die wissen wollen, warum das Glück im Plan der Schöpfung nicht vorgesehen ist. Diese digitale Neuausgabe folgt dem gemeinfreien Text der Erstausgabe (Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1930) mit vollständigem, kapitelgenau verlinktem Inhaltsverzeichnis.
Sigmund Freud (1856-1939) ist der Begründer der Psychoanalyse und einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Der Wiener Nervenarzt entwickelte aus der Behandlung seiner Patienten eine umfassende Theorie des Unbewussten; die "Traumdeutung" (1900) machte ihn weltberühmt. In seinen späten Schriften - "Massenpsychologie und Ich-Analyse", "Die Zukunft einer Illusion", "Das Unbehagen in der Kultur" - wandte er die Psychoanalyse auf Religion, Gesellschaft und Kultur an. 1938 floh Freud vor den Nationalsozialisten nach London, wo er 1939 starb. Seine Begriffe prägen bis heute unser Selbstverständnis.