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Die Zeit hinterlässt Spuren. Manche sitzen am Körper. Manche liegen tiefer. Manche werden zu Geschichte. Rom, 71 v. Chr. Konstantinopel, 1453. Florenz, 1478. Wien, 1683. Verdun, 1916. Gaugamela, 331 v. Chr. Die Geschichten aus dem Archiv der Narben führen zurück in die Jahrhunderte, in denen einfache Menschen nicht nur an Krieg, Verrat und Armut zerbrachen, sondern an der Menschheitsgeschichte selbst. An dem, was sie ihnen auferlegte. Ein Legionär gehorcht der kalten Ordnung Roms, während die Kreuze der Spartacus-Rebellen die Via Appia säumen. Doch befreit Gehorsam je von Schuld? Ein alter Fischer verliert alles, während Konstantinopel fällt, und mit der Stadt auch jene, die er nicht beschützen konnte. Ein Priester der Renaissance füllt seine Rolle so vollkommen aus, dass niemand mehr nach dem Menschen darunter fragt. Wo bleibt er, wenn die Verwandlung bereits vollendet ist? Ein Vater zieht mit dem osmanischen Heer Richtung Wien, während sein Glaube und die Kanonen lauter werden als sein Sohn. Eine Krankenschwester überlebt Verdun im Ersten Weltkrieg und kehrt in den Frieden zurück. Trägt sie die Front noch unter der Haut, auch wenn niemand mehr schießt? Ein Junge im Lager Alexanders des Großen behütet die Waffe eines Helden. Woran erkennt man einen wahren Helden, bevor die Geschichte ihn überhaupt benennt? In Schüsseln, Netzen, Ringen, Kesseln, Messern und Speeren sammelt sich, was Menschen nicht aussprechen können: Gehorsam, Verlust, Verrat, Glaube, Liebe, Erinnerung. Sechs unterschiedliche Narben gebeutelter Seelen, deren Schicksale doch zusammenhängen. Band I versammelt die ersten Kurzgeschichten aus dem Archiv der Narben, mit der exklusiven Abschlussgeschichte Das Erwachen der Narben und einer Leseprobe aus dem Hauptroman Das Archiv der Narben.
Theodor Askan schreibt schonungslose historische Texte über die Narben der Geschichte. Das Archiv der Narben entstand aus der Frage, was ein Mensch im Lauf seines Lebens aufnimmt, verliert und weiterträgt. In seinem Körper, in seinem Blick, in seinen Entscheidungen. Askans Kurzgeschichten verzichten auf große Erklärungen. Sie zeigen, was ein Mensch trägt, statt zu benennen, was er fühlt. Im Mittelpunkt steht nicht die Vergangenheit als Kulisse, sondern das, was von ihr bleibt.