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Sonntag, 13. September - 22:08 Uhr Gahlen / Uferweg WDK Lea Dornbach wusste, dass sie zu weit gegangen war. Das wusste sie seit drei Wochen. Genauer: seit dem Abend, an dem sie die Datei »Kontakt« auf ihrem Arbeitsrechner gefunden und sofort wieder geschlossen hatte, weil der Inhalt die Hand, die sie gehalten hatte, plötzlich zu heiß war. Sie hatte einen Fehler gemacht. Nur einen, aber er wog alles auf, was sie richtig gemacht hatte. Sie hatte die Datei geöffnet. Und danach nicht sofort das Gebäude verlassen. Fünf Minuten war sie noch an ihrem Schreibtisch gesessen und hatte so getan, als läse sie Quartalszahlen. Fünf Minuten, in denen jemand ihr Gesicht hätte sehen können. Jetzt war es halb elf, und sie lief den Uferweg entlang, den sie seit ihrer Kindheit kannte, und sie spürte, dass etwas nicht stimmte. - - - Das Wasser rechts von ihr lag schwarz und ohne Bewegung. Kein Schiff, keine Schleuse in der Nähe, kein Wind. Der September hatte die Wärme des Tages behalten, aber die Luft roch jetzt nach Herbst, nach nassem Laub, nach dem, was verging. Irgendwo schrie ein Tier. Einmal, dann nichts mehr. Lea blieb stehen. Sie hatte das Handy zuhause gelassen - absichtlich, weil Handys geortet werden konnten. Das hatte ihr ein Artikel erklärt, den sie vor Wochen gelesen hatte, als das alles noch abstrakt gewesen war. Jetzt stand sie am Kanal ohne Handy und dachte, dass Absicht manchmal ein anderes Wort für Fehler war. Hinter ihr auf dem Weg: nichts. Nur die Stille, die der Kanal hier immer hatte, diese bestimmte Qualität von Stille, die keine Ruhe war. Sie ging weiter. Schritt für Schritt. Der Schotter unter ihren Schuhen zu laut in der Nacht.
Der Autor wurde 1963 in Haan/Rhld. geboren und lebt mit seiner Frau, die Kinder sind bereits erwachsen, und den Hunden Mia und Paula am Wesel-Datteln Kanal. Von Beruf ist er in der IT Branche tätig. In seiner Freizeit verbringt er viel Zeit am Wattenmeer um neue Ideen für seine Bücher zu finden.