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Die Deutsche Reichsbahn der DDR fuhr mit Gewinn. Anders als die Deutsche Bundesbahn. Im Osten beförderte die Bahn mehr Menschen und Waren auf der Schiene als im Westen. Dort rollte alles auf der Straße. Die Bundesbahn war ein Sanierungsfall. Doch dann kam die Einheit. Und Bonn traf zwei Entscheidungen, die bis ins Heute reichen. Erstens unterstellte sie die Staatsbahn der DDR nicht der Treuhand, und zweitens sollte mit der Fusion eine neue, profitable Bahn entstehen. Die DB-Zentrale in Frankfurt /M. schickte Oberamtsrat Wolfgang Scherz in die DDR-Hauptstadt. Vier Jahre lang war er an exponierter Stelle tätig. Vorurteilsfrei. Staunte über das, was die ostdeutschen Kollegen alle wussten, kannten und konnten. Als exklusiver Zeitzeuge berichtet er über ein bisher kaum beleuchtetes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte. »Ich kann für mich reklamieren, der Einzige der vier Gesandten der Bundesbahn gewesen zu sein, der [...] den Prozess der Zusammenführung beider Bahnen ununterbrochen bis zu seinem Ende im Januar 1994 begleitet hat.«
Wolfgang Scherz, geboren 1949 in Passau, absolvierte eine Maurerlehre und anschließend ein Studium zum Bauingenieur für Verkehrstechnik in Wuppertal. Er arbeitete als Bauleiter bei der Bahn, später in leitenden Funktionen bei der Zentralen Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn und war von 1990 bis 1994 als Geschäftsführer des Projekts »Zusammenführung von DR und DB« in Berlin tätig. Danach war er Geschäftsführer und im Aufsichtsrat der DB Bahnbau und bis 2015 bei der Hessischen Landesbahn GmbH tätig.