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Als es am 26. April 1986 nahe der ukrainischen Stadt Prypjat zu einer Explosion kommt, spaltet sich die Welt scheinbar in ein Davor und Danach. Mit einem Schlag ist dort, wo zuvor noch reges Leben war, nur noch atomar verseuchtes Land - die Menschen evakuiert, Pflanzen und Tiere kontaminiert, eine mehr als dreißig Kilometer große Sperrzone errichtet. Was aber bleibt von einem Ort, dessen Zukünfte gleich dem bei der Reaktorkatastrophe freigesetzten Staub verwehen? Dessen Vergangenheit bereits von Pogromen, Hungersnot und Diktatur vergiftet ist? Zoltán Lesis Halbwertszeit der Kühe führt in drei Langgedichten nach Tschornobyl, lässt Tiere, Liquidatoren, Kinder und digitale Avatare zu Wort kommen und entwirft so nicht allein den Schauplatz einer Katastrophe, sondern eine Landschaft aus Erinnerungen, Stimmen, Spuren, in der Märchen und Gebete, Technik und Natur sowie Imagination und Realität einander begegnen.
Zoltán Lesi, geboren 1982 in Ost-Ungarn, arbeitet als Autor, Übersetzer und Herausgeber und engagiert sich in Projekten des österreichisch-ungarischen Sprachaustauschs. Er veröffentlichte mehrere Gedichtbände, zuletzt den mit dem Preis 'Schönstes Buch Österreichs' ausgezeichneten Band In Frauenkleidung (Edition Mosaik, 2019) sowie die Anthologie An unseren Grenzen haben wir Angst (danube books, 2024) zum Thema Emigration. 2024 erhielt er den Exil-Lyrikpreis. Er lebt und schreibt in Wien und Budapest.