Anna Seghers, Bertolt Brecht, Stefan Heym, Jürgen Kuczynski, Paul Dessau und viele andere wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft oder wegen ihrer kommunistischen Überzeugung im "Dritten Reich" verfolgt und mussten Deutschland verlassen. Nach dem Exil in England, den USA oder Mexiko wählten sie die Sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR als Heimat. Die Konflikte zwischen den Westremigranten und jenen, die aus Moskau in den Ostteil Deutschlands zurückkehrten, gehören zu den zentralen Problemen der DDR-Geschichte. Diesen Intellektuellen schlugen Misstrauen und Verdächtigungen entgegen. Dennoch stützten sie das System und stellten es zugleich infrage. Einzig innerhalb der Partei trugen sie ihre Kritik vor, in der Öffentlichkeit schwiegen sie. Mit dieser Praxis beeinflussten sie auch die Folgegeneration, als deren Repräsentantin Christa Wolf gelten kann. Sonia Combe zeichnet in ihrem Buch die Kämpfe und Gewissenskonflikte dieser kritischen Marxisten nach und fragt, welchen Preis sie für ihre Loyalität zahlten.
Auch in diesem Jahr feiern wir in der Woche der unabhängigen Buchhandlungen, die nun schon zum neunten Mal stattfindet, mit unseren Kund*innen und über 800 inhabergeführten Buchhandlungen unsere Unabhängigkeit.
Aus diesem Anlass laden wir besonders gern kleine unabhängige Verlage ein, sich uns und unseren Kund*innen vorzustellen. In diesem Jahr ist der Berliner Quintus-Verlag bei uns zu Gast.
Der Verlag wurde 2016 gegründet, um den kulturwissenschaftlichen Programmbereich des Verlages für Berlin-Brandenburg eigenständig und unabhängig von regionaler Zuordnung weiterzuentwickeln. Seine Programmschwerpunkte liegen zum einen in der Literaturwissenschaft und zum anderen in der Belletristik (Prosa und Lyrik).
Gemeinsam mit der Autorin Kerstin Hensel wird der Verleger André Förster diesen Abend gestalten und Verlag und ausgewählte Bücher vorstellen.
Gusel Jachina, eine der bedeutendsten russischen Gegenwartsautor*innen, ist wieder bei uns zu Gast!
Nach "Wolgakinder" hat sie ein neues großes historisches Epos geschrieben, eine "ungeschminkte Auseinandersetzung mit einem düsteren Kapitel der Sowjetgeschichte und ein Roman der starken Emotionen." (Aufbau)
Kasan 1923: Im Wolgagebiet herrscht große Hungersnot. Dejew, ein ehemaliger Soldat auf der Seite der Roten, soll fünfhundert elternlose Kinder mit einem Zug nach Samarkand schaffen, um sie vor dem sicheren Hungertod zu retten. Aber es fehlt an allem für den Transport: Proviant, Kleidung, Heizmaterial für die Lokomotive, Medikamente. Ein Roadmovie durch ein total zerrüttetes Land beginnt, in dem in weiten Teilen immer noch der Bürgerkrieg wütet. Dejew, der selbst ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt, scheut kein Wagnis und keine Gefahr, um die Kinder ins Land des Brotes und der Wunderbeere Weintraube zu bringen.
Wir freuen uns besonders, dass auch der Übersetzer des Romans, Helmut Ettinger, zugesagt hat, die Veranstaltung zu moderieren. Das wird ganz sicher wieder ein sehr spannender Abend!
Copyright Foto: George Kardava
Auch in diesem Jahr feiern wir in der Woche der unabhängigen Buchhandlungen, die nun schon zum neunten Mal stattfindet, mit unseren Kund*innen und über 800 inhabergeführten Buchhandlungen unsere Unabhängigkeit.
"Am 29. Oktober und am 5. November, den Autorinnensamstagen, übernehmen in vielen WUB-Buchhandlungen Autorinnen die Geschicke, signieren ihre Bücher, geben Buchtipps und machen die Buchhandlung an diesem Samstag zu ihrem Lieblingsort." (WUB)
Bei uns wird am 29. Oktober 2022 die Autorin Franziska Szmania zu Gast sein. Ihr könnt mit ihr ins Gespräch kommen und natürlich mit einem signierten Exemplar ihrer fantastischen Dystopien nach Hause gehen, um sofort in diese spannende Welt einzutauchen.
Endlich wieder ein Krimi-Autor zu Gast in der Chaiselongue!
Christian von Ditfurth ist längst bekannt durch seine Serien um den Historiker Josef Maria Stachelmann und den Ermittler Eugen de Bodt. Nun hat sich der Historiker Ditfurth an eine historische Krimiserie gewagt – und wir sind begeistert!
Berlin, November 1932: Die Zahl der Arbeitslosen ist auf Rekordniveau. Verzweiflung herrscht in den Mietskasernen. Die Stadt fürchtet den Bürgerkrieg. Eines Abends stürmen SA-Männer eine Kneipe im Wedding und erschießen Kurt Esser, Redakteur des KPD-Blatts Rote Fahne. Dem jungen Kriminalpolizisten Karl Raben gelingt es, den Anführer der Mörder, Gustav Fehrkamp, zu stellen. Doch kaum ist Hitler an der Macht, kommt Fehrkamp auf freien Fuß. Raben hat fortan nur noch einen Gedanken: Gerechtigkeit. Für sein Vorhaben geht er einen Pakt mit dem Teufel ein und arbeitet für die Geheime Staatspolizei. Damit ist sein Leben in der Hand von Gestapo-Chef Reinhard Heydrich. Genauso wie das seiner Frau Lena, die Jüdin ist.
Karl Raben ist ein zwiespältiger Held, der für Gerechtigkeit alles riskiert – wohl wissend, dass er und seine Familie dem Abgrund immer näher rücken.
Foto: © Christian von Ditfurth
Nach dem großen Erfolg von "Fassadengeflüster" präsentieren Arne Krasting und Alexander Vogel nun ihr neues Werk: Justizgeflüster. Berliner Gerichte und Gefängnisse. Mit kleinen Geschichten und Anekdoten stellen Sie die schönsten und spannendsten Gebäude der Berliner Justiz vor und signieren gern Bücher.
Alexander Vogel hat zahlreiche Beiträge zur Regional- und Landesgeschichte publiziert und ist Autor mehrerer Bücher zur Filmgeschichte Berlins und Brandenburgs. Außerdem ist er für die Konzeption der Touren und Bildungsangeboten der Agentur Zeitreisen verantwortlich und arbeitet als Filmkurator.
Arne Krasting gründete 2001 die Agentur Zeitreisen, deren Schwerpunkte Geschichtstourismus und History Marketing sind. Zusammen mit visitBerlin entwickelt er Perspektiven für nachhaltigen Tourismus in Berlin. Mit "Goldstaub" betreibt er einen eigenen Podcast.
Sie ist dreißig Jahre alt und heißt Kiều, so wie das Mädchen im berühmtesten Werk der vietnamesischen Literatur. Doch sie nennt sich lieber Kim, weil das einfacher ist für ihre Freunde in Berlin. 1968 waren ihre Eltern aus Vietnam nach Deutschland gekommen. Für das, was sie zurückgelassen haben, hat sich die Journalistin nie interessiert. Im Gegenteil: Oft hat sie sich eine Familie gewünscht, die nicht erst deutsch werden muss, sondern es einfach schon ist. Bis zu jener Facebook-Nachricht. Sie stammt von ihrem Onkel, der seit seiner Flucht in Kalifornien lebt. Die ganze Familie soll sich zur Testamentseröffnung von Kiềus Großmutter treffen. Es wird eine Reise voller Offenbarungen - über ihre Familie und über sie selbst.
Wir freuen uns auf einen interessanten und unterhaltsamen Abend mit Gregor Gysi.
Politiker müssen etwas zu sagen haben, aber Reden ist auch gefährlich. Jeder Satz kann aus dem Zusammenhang gerissen, auf die Goldwaage gelegt und vom politischen Gegner bewusst fehlinterpretiert werden. Nichts ist so einfach wie man es gerne hätte, aber komplizierte Sachverhalte zu erklären ist in Zeiten von kurzen Aufmerksamkeitsspannen eine besondere Herausforderung.
Wer in der Politik erfolgreich sein will, lernt früh das zu sagen, was die Wählerinnen und Wähler vermeintlich hören wollen. Und das können auch Halbwahrheiten sein.
Gregor Gysi erklärt, wie Kommunikation im politischen Betrieb funktioniert, warum die Abgeordneten nicht nach Professionalität aufgestellt werden, welche Redezeitbegrenzungen im Bundestag gelten, warum er sich in Talkshows vor allem an die Zuschauer wendet und weniger an die Mitdiskutanten, wie unterschiedlich Printmedien und Talkshows funktionieren und wie wichtig, aber auch wie schwierig es ist, Sachverhalte vereinfacht und zugleich korrekt darzustellen. Ein anekdotenreicher Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs.
Die neunzehnjährige Katharina und Hans, ein verheirateter Mann Mitte fünfzig, begegnen sich Ende der achtziger Jahre in Ostberlin, zufällig, und kommen für die nächsten Jahre nicht voneinander los. Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR und des Umbruchs nach 1989 erzählt Jenny Erpenbeck in ihrer unverwechselbaren Sprache von den Abgründen des Glücks – vom Weg zweier Liebender im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, Hass und Hoffnung.
Irina Liebmann wird uns zwei ihrer großen Berlin-Romane vorstellen: "Die große Hamburger Straße", im vergangenen Jahr mit dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichnet und von der Kritik gefeiert, und "Die freien Frauen", die Spurensuche einer Frau, die sich auf den Weg macht, um herauszufinden, wer sie ist und wer nicht.
»Irina Liebmanns bester Roman.«
Iris Radisch, Die Zeit
Irina Liebmann, geboren in Moskau, lebt in Berlin. Seit 1975 freie Schriftstellerin, vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Berliner Literaturpreis (1998), dem Preis der Leipziger Buchmesse (2008), dem Preis Von Autoren für Autoren des Lübecker Literaturtreffens (2015) und mit dem Uwe-Johnson-Preis (2020). Ihr Werk erscheint in Neuausgaben bei Schöffling & Co.